„Rehschlegel – sprengen die Töpfe ….“

Dieses Jahr bin ich eigentlich sehr entspannt, was die weihnachtlichen Vorbereitungen betrifft. Ein paar Besorgungen bzw. Aktionen müssen zwangsläufig geschehen.

Die Bestände an Fond und das Leeren der Kühlschubladen läßt sich nicht mehr verschieben. Spätzlevorrat muß auch produziert werden.

Die Pandemie vergönnt mir nichts. Gerade, Samstag 15.36 Uhr wurde per mail unser Theaterabend “ Der Brandner Kaspar“ von Franz Kobell abgesagt – auf diese Neuinzenierung im neuen Volkstheater hatte ich mich riesig gefreut. Der Aufwand – Testtermin, obwohl zweimal geimpft vereinbart – Tochter und Freundin hatten sich mühsam den Termin freigeschaufelt. Ein schöner Theaterabend, mit einem kleinen feinen Abendessen im dazugehörigen Lokal. Wieder nichts…

Irgendwie reicht es mir allmählich ! Weihnachtsstimmung kommt da nicht so richtig auf.

Die Rehunterschenkel enthielten doch viel mehr Fleisch, wie zunächst vermutet und so gab es zum Trost ein kleines feines Rehragout – sehr zur Freude von Gö-Ga. Gierig verschlang er die liebevoll geschabten Kürbisspätzle. Widererwarten waren sie wunderbar gelungen.

(s. Grundrezept :https://wordpress.com/post/meggieskochstudio.wordpress.com/20731083

  • der Spätzleteig wird hier mit ca 150 gramm püriertem Hokaido ergänzt, den ich im Dampftopf mit Steinsalz, einer Spur Ingwer abgekocht hatte.

Diese Spätzle sind die ideale Ergänzung zum Wild.

Der Rest kann zur Vorspeise als Suppe verarbeitet werden.

Diese Kürbissuppenwintervariante wird dominiert von winterlichen Gewürzen

(Zimt, Sternanis, Nelke , Lorbeer, rosa Pfeffer) sowie einem säuerlichen Apfel.

Die Suppe wird mit Brühe (ob Huhn, Rind oder Gemüse) ist ansich nicht entscheidend, aufgegossen. Die sorgfältig gerösteten Croûtons werden mit Zimt und Abrieb vom frischen Ingwer versehen und geben der Suppe den besonderen Kick. Wichtig ist final der Abrieb von frischer Muskatnuss und sie sollte heiß serviert werden, die richtige Konsistenz haben (d.h. nicht zu dickflüssig sein)

Anstatt Hokaido kann auch Muskatkürbis verwendet werden, der allerdings ganz fein geraspelt auch roh verwendet in den Spätzleteig gegeben werden kann.

Zurück zum Wildfond, den ich schnell mal übernacht köcheln lassen wollte….

Wildfondzutaten

Hier hatte ich Wacholderbeeren, Piment, schwarzer Pfeffer, Nelke einwenig angeröstet. Frischen Thymian, Rosmarin, 1 Blättchen Salbei, Lorbeer zu einem Sträußchen gebunden. Sellerie, Karotte, rote Zwiebeln, ein paar Schalotten vorbereitet;. klassische Musik laut aufgedreht, die Küche duftete, die Wintersonne strahlte mich an.

Mein alter Freund, der Bräter freute sich auf seinen Einsatz. Schnell die Knochen hinzufügen – aber sie ließen sich nicht brechen, sämtliche Küchenwerkzeuge versagten. Wo Herr Gö-Ga in seinen diversen Werkzeugkisten eine Säge versteckte, konnte ich nicht klären- er war natürlich nicht da. So mußte ich erstmal einen Schluck von dem Rotwein nehmen, mit dem ich den Fond angießen wollte.

Wildknochen und jetzt ???

Dann ein Geistesblitz! Schnell verfrachtete ich die Knochen in eine Tüte, verließ die Wohnung und lief zum unserer Autowerkstatt. Wir bezeichnen ihn als „Autotandler“. Er schraubt, repariert immer schnell und zuverlässig und hat diesen unwiderstehlichen österreichischen Humor, der vielen hierzulande fehlt. Er unterbrach sein Tagwerk – obwohl der Andrang – wie immer groß war – jeder wollte noch sein meist betagtes Auto – fit gemacht haben…. , stellte seinen Gehilfen kurz ab, der sägte mir in Windeseile die Knochen auseinander und ich rannte glücklich zurück zu meinem alten Freund , dem Bräter.

  • röstete die Knochen scharf an, löschte sie mit ca. einem 3/4 Liter Rotwein ab, fügte die Kräuter hinzu
  • nach ca. eins bis zwei Stunden folgte das vorbereitete Wurzelgemüse, welches ich in gesonderter Pfanne sorgfältig angeschwitzt hatte.
  • Deckel drauf und ließ den Fond übernacht ganz leicht köcheln.
  • zwei Gläser Fond waren das Ergebnis (Gurkengläsergröße)
  • Diese Köstlichkeit bereichert meine Soßen zum Hirschfilet, zur Rehkeule
  • und wir nennen ihn jetzt nach dem genannten Autotandler den „Ronnerfond“

Genießt die letzten Tage vor dem Fest! Heute werde ich einen Spaziergang machen… ich träume von einem erlesenen Cafehausbesuch, mit Punsch, Elisenlebkuchen oder dicken Cremetorten – schokoladig, cremig, angereichert mit….

Bis bald , schöne Zeit

M. KUhl