"Der Herd , Dein Freund u. Gefährte "

Gestern war so ein Sonntag, grau in grau. Die Süddeutsche ausgiebig gelesen, noch ein Tee… Alle Pflichttelefonate erledigt. Keiner hat Lust, Zeit mit mir bei dem Wetter vor die Türe zu gehen. Irgendwann schaffe ich mir einen Hund an, denn der geht sicher immer mit.  Das Kochen an diesem Sonntag – na ja – das Leib-und Seelengericht meiner männlichen Familienmitglieder.
Nach meinen vegetarischen Ausflügen bestanden die Herren darauf.
Mein Vorschlag einen schönen Fischeintopf mit  Lachs, Kabeljau …. mit selbstgemachten Baguette – abgelehnt. Fisch hatten wir erst. So muß ich meine neue Baguetteform (Treppchenform) später vorstellen.
Von diesen Fleischpflanzerl können meine Lieben nie genug bekommen.  Von 1 kg Hackfleisch habe ich zwei große Pfannen …. für heute, für die Brotzeit und für zwischendurch.

Mein treuer Herd, der noch gar nicht so alt ist und von besonderer Güte wie mein techn. versierter Ehemann mir seiner Zeit bestätigte, brauchte eine neue Backofenbeleuchtung,  ein Schalter  mußte ersetzt werden… , nach Wochen des Improvisierens erbarmte sich ein guter Freund der Familie, besorgte die Glühbirnen und tauschte den Schalter aus.
Beim Kauf des Herdes hatte man mir davon abgeraten einen selbstreinigenden Herd zu wählen – wie ich ihn 18 Jahre lang hatte- Heute ist das doch kein Problem mehr, so gut sind die Herde zu reinigen. Einfach eine Tasse Wasser mit  ein paar Tropfen Spülmittel und der Herd ist stets wie neu, mit dem Reinigungsprogramm geht das ganz von selbst, fachsimpelte der Küchenverkäufer…..

Doch nicht berücksichtigt hatte dieser Mensch, dass in diesem Herd unzählige Enten, Puten, Kuchen, Brote, Pizzen, Braten, Aufläufe…. ständig in Arbeit sind. Die Teleskopauszüge hatten meinen alten Backwagen ersetzt, denn  der nimmt ja soviel Platz weg und in diesem Herd kann man auch ganz große Vögel braten…..

Der Zustand meines freuen Freundes  war , wie ich gestern feststellen mußte besorgniserregend,fest  eingebrannt so einiges, die tollen Teleskopauszüge hatten ihre  ursprüngliche Farbe gänzlich verloren, rußig schwarz waren sie , unter dem Grill war alles…. , die Seitenteile  alles braun… Da wollte ich nichts mehr drin backen.

Zuerst muß mal die Gebrauchsanweisung her,  denn die Tür kann man aushängen und die Teleskopauszüge herausnehmen, den Grill absenken… Perfekt mit Schwamm,  allen verfügbaren  Putzmitteln rückte ich dem  Dreck zu Leibe.

Es half nichts. Irgendwo fand ich ein Backofenspray – soll man nicht nehmen , wegen…. – was ist schädlicher dieser angebrannte … Sorgfältig sprühte ich alles ein, die Teleskopauszüge legte ich  in das Spülbecken auch sie bekamen eine Ladung  ab. Mit dem Schaber für das Ceranfeld schabte ich das Eingebrannte ab.

Mittlerweile war eine Stunde vergangen, die Familie erholte sich bei einem guten Buch,  am PC, beim Fernsehen… meine Wenigkeit schrubbte, schrubbte..  Es sah schon viel besser aus. Die Backofentüre wieder einhängen, wie geht das noch???
Uff, geschafft. So jetzt nochmal das Reinigungsprogramm mit Spülmittel , dann mit kochendem Essigwasser auswaschen, die Teleskopstangen nochmal in die Spülmaschine – mit dem Spezialprogramm – , dauert 15o Min.
Eine Runde Entspannung auch für  mich  – denn ich muß ja noch meine  Kichererbsensuppe ins Netz stellen –
Die Teleskopauszüge haben ihre ursprüngliche Farbe zurückerhalten, aber das Material ist meines Erachtens billiges Metall, was sich nicht gut reinigen läßt –  Werden Herde von Köchen getestet ??,  Haushaltsware ist auf kurzlebig kalkuliert – sagt mein Mann – Was ist kurzlebig, ca. 8 Jahre ist mein treuer Gefährte alt, reif für den Müll ??

Der Herd erstrahlt in neuem Glanz. Dann kam es zu Tage, ja die Pizza hatte man bei 270 grad vergessen, war eingeschlafen… so, so,  die Lasagne war übergelaufen, sofort hatte man es weggewischt.., der Kuchen war so aufgegangen, er sprang förmlich aus der Form und hinterließ diese unansehnliche eingebrannte Stelle….. Das wird in Zukunft nie mehr passieren, sonst……!!!!!!!!!
Toll sieht der Herd aus!“ Mama da kann ich ja gerade meine Schokoladentarte reinschieben……“
Keine 5 Minuten gönnten sie meinem treuen Freund,  da mußte er wieder backen,  braten…..
Heute gehe ich später arbeiten,  das Ceranfeld habe ich eingelassen,  er strahlt und hat gerade gesummt “ Bis heute Abend ruhe ich mich einwenig aus“, wenn du kommst bin ich wieder fit“

 

"Heimkommen, Essen….. wärmt Magen und Seele "

Es sind die einfachen Gerichte, die man mag wenn man heimkommt . Heimkommt nach langer Woche, nach dem Urlaub , nach vielen Jahren, jeder kennt es , den Duft erkennen wir schon , wenn wir den Schlüssel umdrehen. Essen ist  fertig, setz Dich, erzähl doch mal……DSC00604DSC00606DSC00607

Speiseplan

Auch diese Woche soll es einen Speiseplan geben, der nicht alltägliche Gerichte enthält:

Viel Spaß beim Nachkochen und eine schöne Wocheessensplan

Bewußt habe ich auf Vor- u. Nachspeisen verzichtet. Aber schnell ist ein Obstsalat geschnippelt , ein Quark mit Bananen oder tiefgekühlten Früchten gerührt. Guten Appetit!!

"Marktgeschichten"

Den Marktkorb hatte ich heute früh parat. Die Fleischvorräte waren gegessen,  die Gemüsevorräte verbraucht. Es ist immer noch bitter kalt, obwohl der Himmel in seinem schönsten bayrisch-blau sich präsentiert.
Fußball regiert heute die Stadt. Die Fans sind unübersehbar. Heute wird es ein spannendes Spiel geben „Schau ma mal gegen woll, woll“
Gibt es etwas schöneres als  dickeingemummt in der Wintersonne am Viktualienmarkt zu sitzen und  dem geschäftigen Treiben zu zu schauen, über allem hält der „Alte Peter “ Wacht. DSC00599DSC00594DSC00593

Die ersten Frühjahrsprodukte aus heimischen Anbau sind da! Echte Delikatessen aus Halbergmoos,der Sauerampfer! Wie hab ich ihn geliebt als Kind, er wuchs direkt an unserem Bach, neben den Brennesseln, die wir als Spinat aßen und unser Vater merkte es nie, dass es Brennesseln waren. DSC00596DSC00597DSC00598
Auf meinem Einkaufszettel steht noch Hefe, Butterschmalz…. Es ist Krapfenzeit in Bayern.
Unglaublich, was man sich da alles einfallen läßt dieses Schmalzgebäck an den Mann, die Frau zu bringen. Schaut Euch das mal an:DSC00586DSC00587DSC00588DSC00590
Eigentlich kenne ich dieses einfache Hefegebäck , Schmalzgebäck, als Fastenkreppel, die man an Fasching, in der Fastenzeit aß. Da durften keine gehaltvollen Kuchen mit Sahne… gebacken werden, nein das einzigste was man sich gönnte war das in Schmalz ausgebackene Gebäck. Dieses Rezept werde ich die nächsten Tage mal ausgraben und in einem kleinen Topf diese „Kreppel“ ausbacken…. So lange probieren wir mal die verschiedenen Krapfen , mit Alkohol ….. das Angebot ist riesig. Eine Krapfenabstempelkarte von unserem Bäcker haben wir auch schon – 20 Stempel sind schon drauf. Ist die Karte voll, bekommen wir 5,OO EURO Rabatt!!

"Bombay-Menü"

Irgendwie hatte ich heute Lust auf indisches Essen. Allerdings stört mich bei den „Inder togo“ immer, dass alles so verkocht ist. Ob Gemüsedal, Kichererbsen, Blumenkohldal alles kommt mir vor, als sei es für Zahnlose stundenlang gekocht.

Blumenkohl ist in meiner Familie gar nicht beliebt. Auf dem Nachhauseweg kam mir die zündende Idee für ein schnelles „Bombay-Menü“. Reis mit Mandeln u. Rosinen …, Kichererbsen, zitronig mit frischem Koreander – leider nicht verfügbar auf die Schnelle- schnelles Fladenbrot von meiner Kochfreundin Sparrow, das wäre es.

Blumenkohlcurry
Zutaten:
1 Blumenkohl -mittelgroß –
1 walnußgrosses Stück frischen Ingwer
1 Knoblauchzehe
2 rote Taichilis
1 Teelöffel frische Currypaste – gelb –
1 Bund Frühlingszwiebeln
1 Zitrone
1 Schalotte
100 ml Gemüsebrühe
2-3 aufgelöste Fäden Safran (bitte in warmen Wasser auflösen)
200 ml Kokosmilch
1 Teelöffel selbstherstelltes Curry (Rezept folgt gesondert)
oder Currypowder hot Madras v. Rajah
1 Teelöffel Kurkuma Powder
1 halbe Zitrone

Zunächst Ingwer, Knoblauch, Schalotte, Chili mgl. klein hacken. Den Blumenkohl in Röschen zerteilen.
In einem Wok erhitzen wir nun das neutrale Öl und geben nacheinander Ingwer, Knoblauch, Schalotte, Chili hinzu, nicht braun werden lassen, aber ständig in Bewegung halten. Einen Teelöffel Kurkumapowder drüberstreuen, sowie Curry hot Madras und Currypaste hinzufügen.
Safranwasser hinzufügen und mit der Kokosmilch ablöschen und Gemüsebrühe ablöschen. Zügig geben wir jetzt die Blumenkohlröschen hinzu (drauf achten, dass sie mgl. alle ungefähr die gleiche Größe haben, wg. der einheitlichen Garzeit).
Ein Blick auf die Soße:Bombay-Menü 001
Nun geben wir die Blumenkohlröschen in die Soße, schalten die Temperatur auf mittlere Stufe und lassen den Blumenkohl mit geschossenem Deckel dünsten, bis er bißfest -gar ist –
Zur Seite ziehen.

Zwischenzeitlich: kocht der Reis im Reiskocher, die Kichererbsen kämpfen im Schnellkochtopf gegen das Garwerden mit Chilischote u. Kurkuma.

Die Rezepturen:
Mandel-Rosinen-Cranberries-Reis

50 gramm Rosinen
50 gramm getrocknete Cranberries
100 gramm Mandelstife
1/2 Limone
Zunächst geben wir die Mandelstifte in eine beschichtete Pfanne und lassen sie leicht braun werden, dann fügen wir Rosinen u. Cranberries hinzu und schwenken in der heißen Pfanne die getrockneten Früchte.
Bombay-Menü 002
Ebenfalls bei seite stellen.

Reis:
2 1/2 große Tassen Reis
waschen und in den Reiskocher geben, salzen und kochen lassen.
Wenn der Reiskocher – gar – anzeigt geben wir die Mandel-Cranberries-Rosinenmischung auf den gekochten Reis, geben den Saft einer halben Limone hinzu und verschließen den Topf mit dem Deckel und lassen den Topf auf der Warmhaltestufe stehen.
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Kichererbsen – Dal – bissfest
Zutaten:
250 gramm Kichererbsen -trocken – oder aus der Dose, dann gehts noch schneller
2 st rote Chilischoten
1 Teelöffel Kurkuma
1/2 Bunde Petersilie besser frischen Koreander (fein gehackt)
1 kräftige Messerspitze Hot Madras Curry
1 Limone

Die Kichererbsen in den Schnellkochtopf geben und 3 fingerbreit mit Wasser bedecken, Chilischote, Kurkuma hinzufügen und ohne Salz ca. 3/4 Stunde bissfest kochen. Ggfs. mal nach einer 1/2 Stunde kontrollieren.

Abtropfen lassen und Limonensaft, Curry und Petersilie hinzufügen und gut durchheben.

Das Menü ist zum Servieren bereit, Blumenkohl-Curry mit den gehackten Frühlingszwiebeln in eine Schüssel anrichten, Reis durchheben u. in einer Schüssel anrichten, nun fehlt nur noch unser bissfestes Kichererbesendal.
Dazu Naturjoghurt (10 %) reichen.
Einfach , gut und selbst bei Jugendlichen willkomen. Bombay-Menü 005Bombay-Menü 007

"Fleisches – Un- Lust"

Dies ist die Jahreszeit, wo man sich schon einwengig nach frischer mediteraner Kost sehnt. Die deftige, viel beschriebene Winterküche – ehrlich gesagt, ein frisches Risotto mit Rauke oder Spargel wär schon fein… Die frischen Kräuter sind aber noch nicht so vorhanden, sie duften nicht so, wie ich sie im Sommer von meinem kleinen Dachgarten ernten kann.
Daher möchte ich in Vorfreude auf den Frühling, den Sommer ein kleines vegetariches Menü zaubern, was einwenig vom Sommer, aber auch einwenig an die einfache landliche Küche des Südens erinnert:

Vorspeise: Minitart mit getrockeneten Tomaten u. mini Ziegenfrischkäseflöckchen
Rezept:http://www.kuechengoetter.de/rezepte/verschiedenes/-saftige-Tomatentortletts-gedopt-mit-gefuelltem-scharfem-Minipaprika–2807818.html
Hauptspeise: Polentastrudel gefüllt mit Käse und Kräuter der Provence an geschälten Datteltomaten
Rezept:http://www.kuechengoetter.de/rezepte/verschiedenes/-Polenta-Strudel-an-mediteranem-Gemuese–2807861.html

Nachspeise mußte leider ausfallen, wir waren papp satt!!

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– Schlemmerwoche mit meinen Lieblingsgerichten-

Diese Woche habe ich meinen „Speiseplan“ all denen gewidmet, die gerne kochen und nicht immer das 5 Minuten Gericht bevor:zugen müssen…. , denn , wie ich zugetragten bekam,  sind auch Blog-Leser dabei, die sich die Zeit etwas freier gestalten können……. Hier mein Speiseplan: gutes Gelingen5257012_ced844b6a7_d-2

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Ran an die Töpfe, Messer….

Frühling wills nicht werden…..

Naßkalt ist es am 19.2.2011 in München, so daß ich meinen Marktbesuch auf den späten Vormittag verschoben habe.
Meine Einkaufsliste ist heute überschaubar, da ich noch einiges in meiner winterlichen Speiskammer gelagert habe.
Diese Samstage liebe ich eigentlich,  ohne genauen Plan sich treiben lassen. Wir laufen heute in die Innenstadt und kommen zwangsläufig an unserem „kleinen Italiener Nr. 2“ vorbei.
Es ist gerade mal 11.OO Uhr,  das Frühstück ist schon fast 4 Stunden her,  Fisch, Fleisch, Reinigung, Post erledigt.  Einen Cappuccino, den haben wir jetzt eigentlich verdient.
Der Cappuccino duftet herrlich, dazu diese weichen  kleinen Amerettini…  und schon sind wir beim ersten weißen aus dem FriaulDSC00523 (1) - IIDSC00525

Dazu gibt es ein ganz interessantes Gebäck, leicht salzig, mit Anisgeschmack –  sehr gut!
Für bestimmte Gerichte benötige ich oft diese schönen Trockenfrüchte, kandierter Ingwer, Aprikosen, Mango….
In dieser Jahreszeit liebe ich diese Trockenfrüchte zum Müsli, zur Nachspeise oder einfach so. Mein Lieblingsschaufenster. Hier kann ich verweilen und meine Gedanken reisen in den  Sommer, Tropen, Süden  …….DSC00526

Auf meiner  Einkaufsliste steht noch, Safran, Sprossen, Currypaste – gelb –  Reis ( gemischt Basmati/Duftreis)
Auf dem Markt angekommen  werfen große Ereignisse ihre Schatten voraus und über all blitzt einwenig Frühling.
Die Marktleute  haben nicht viel zu tun,  große Touristengruppen werden mit Verköstigungen jeglicher Art unterhalten.
Ein Standlbesitzer sagt: „Wer koa , de koa, a gouter halts aus um an schlechten is eh net schod“ Jahrzehnte stehen sie schon hier  bei jedem Wetter.  Es muß sich aber lohnen, denn  diese Standl wechseln eigentlich nie den Besitzter, wie ich in mehr als 25 Jahren feststellen konnte. Man redet übers  „Weder“ und über das Ereignis des Jahres.DSC00529DSC00527

Meine Einkäufe hatte ich gerade erledigt, da  tippt mir einer auf die Schulter,  ja Hallo  – unsere Ingolstädter/Regensburger Freunde – das ist ja ein Zufall. Wie immer haben wir viel zu erzählen…, die Kinder, die Politik , die Stadt, Kino, Theater…
Italiano Nr. 3 , der Weisswein mundet, die Zeit vergeht im Flug. Ein schöner Markttag trotz nasskaltem Wetter.. DSC00530

"In Memorandum…… das Rezept"

Die Zeit heilt Wunden, dieses Rezept habe ich meinem „Axel“ gewidmet. Schließlich sollte er nicht umsonst „ins Gras beißen“ sondern in den Kreislauf des Lebens, wie mein Großvater immer philosophierte zurückkehren.

http://www.kuechengoetter.de/rezepte/verschiedenes/-Ochsenlendensteaks-Tuermchen-in-Zitronenthymian-Olivenoel-Marinade–2215320.htmlhokaido Relish  Ochsenlendensteaks 001hokaido Relish  Ochsenlendensteaks 003hokaido Relish  Ochsenlendensteaks 001

"Kälberstrick – Fleisches -Un – Lust"

Axel  will leben……

Wie meine Leser sicher schon bemerkt haben werden,  hat meine Kochleidenschaft  meist einen intensiven Bezug zum Produkt .
Viele kleine – meist wahre Begebenheiten – begleiten meine Vorlieben  und Abneigungen bis heute.
Die Landwirtschaft meiner Großeltern ernährte eine 9 köpfige Familie gut und ausgewogen.
Allerdings,  gab es ganz, ganz selten Kalbfleisch und  Kaninchen nie !!!

Mit dem Kalbfleisch ist das so eine Sache, mein Großvater mochte es gar nicht  und ich auch nicht.
Es war Anfang der 60iger Jahre. Wir hatten 3 Kühe, Schimmel, Bella und die alte Fuchs. Sie gaben Milch und die Kälber verkauften sich gut an den örtlichen Metzger. Die Kühe zogen den Wagen, wurden bei der Feldarbeit in dem schwierigen Gelände eingesetzt und wurden mit viel Liebe und Aufmerksamkeit gehegt und gepflegt. Abgöttich liebte ich meine Kühe, sie gehorchten mir und bei ihnen war es immer warm. Oft verzog ich mich in den Stall um zu Lesen. Stundenlang konnte ich auf einem Strohballen lesen, träumen ….. Alle suchten mich,  im Stall vermutete mich niemand, wo es doch nach Meinung meiner Schwester stank, die Mücken fliegen .“Geh,  sagte sie immer , Du stinkst nach Stall“.

Eine Familenfeier oder Beerdigung, ehrlich gesagt genau weiß ich es nicht mehr, zwang die gesamte  Familie nach Frankfurt zu reisen. Wer sollte das Vieh versorgen ??  Das „weiße Biest“ so nannten sie mich,  kann doch mit dem Großvater zu Hause bleiben, dann können sie uns auch nicht wieder blamieren… so tönte es beim vorgezogenen Mittagessen.

Mein Großvater warf mir einen kurzen Blick zu und ich erklärte mich bereit mich zu „opfern“ und auf die Reise in die Großstadt zu verzichten.  Großvater hatte sich seinen alten Freund bestellt – böse Zungen behaupteten er käme aus der Fremdenlegion –  das mußte was ganz Schlimmes sein – so wie meine Großmutter immer tobte, wenn  Großvaters Freund auftauchte.

Dieser Mann hatte die ganze Welt bereist und wollte meinen Großvater immer überreden auf „Große Wanderschaft“ zu gehen , endlich die Welt zu sehen, das große Geld zu machen und nicht  in dem kargen Landstrich zu versauern.

Großvater beauftragte mich, nach der Schimmel zu schauen, denn das Kälbchen war schon überfällig.
Die Herren sprachen heftig dem Spezialschnaps  meines Großvaters zu.

Stolz begab ich mich in den Stall. Die Kälberstricke kramte ich schon mal aus der Kiste, wobei ich eigentlich  nicht wußte, wo für man sie tatsächlich gebrauchte. Den Kessel mit heißem Wasser setzte ich  auf, so hatte ich es bei der Großmutter immer gesehen, wenn  ein Kalb kam. Normalerweise hieß es wieder: Kinder aus dem Haus….

Großvater hatte mir erklärt, wann der Geburtsvorgang soweit fortgeschritten war und ich ihn rufen sollte. Schimmel ging es nicht gut, sie schwitzte und brüllte ganz schrecklich. Mit trockenem Heu und Stroh versuchte ich ihr nassgeschwitztes Fell zu trocknen.Brachte ihr  Wasser, redete ihr gut zu und dankbar leckte sie mein Gesicht ab, bevor sie wieder schreckliche Töne von sich gab.  Großvater hatte mir eingebläut, wenn der Schleimpfropfen sich löst, dann kannst Du mich rufen,  dann ist der Muttermund weit genug offen, dann geht es meist  schnell voran.
Wie befohlen beoachtete ich die Kuh und da hob sie den Schwanz und ich sah  eine schleimigen Pfropfen ….
Wie um mein Leben rannte ich zum Haus.
Großvater verabschiedete sich von seinem Freund ganz schnell. Den  können wir nicht bei der Geburt gebrauchen.

Großvater fluchte,  die Geburt war so weit vorangeschritten, dass er keine Hilfe mehr holen konnte und vom Tierarzt hielt er eh nicht so viel . Ganz dramatisch sage er zu mir: „Kleines Mädchen Du mußt jetzt ganz stark sein, es geht um Leben und Tod“.
Er war ein sehr gläubiger Mensch, benetzte mich, die Kuh und sich mit dem Weihwasser, das im Stall immer stand und los gings. Leise und beruhigend redete ich auf  Schimmel ein, während mein Großvater die Kälberstricke an den Läufen des Kälbchens zu befestigen versuchte. Mehrfach mißlang es, denn auch der Schnaps konnte seine Wirkung nicht verleugnen.
Irgendwann hatte Großvater es geschafft.  „Komm, ich gebe das Kommando auf 3 ziehst Du so fest Du kannst!!!“ Großvater schrie  1 unnnnd 2 und 3, jetzt. Das Blut stieg mir in den Kopf, meine Hände waren von dem Strick rot und bald mit Blasen gefüllt, den Schmerz bemerkte ich aber erst Stunden später.

Endlose Versuche,  erschöpft machten wir uns gegenseitig Mut. Großvater sagte, wir geben nicht auf. Wir verlieren sonst die Kuh und das Kalb. Die Angst schnürte mir den Hals zu. Dann schloß ich die Augen, zog, zog , schrie aus Leibskräften.
Ein riesiger Schlag,  mein Großvater und ich lagen im Stall in der Urinrinne, zwischen uns ein kleines nasses, braun-weißes Etwas, mit riesigen Augen, ganz nass, lockig und wunderschön.
Wir lagen  im Blut und Urin, umarmten uns und lachten und weinten gleichzeitig.
Es ist ein Bullenkalb – war nicht sooo  beliebt – seuzte mein Großvater, wie willst Du ihn nennen?
Axel, flüsterte ich, Axel, Axel soll er heißen.

Gut, dann ist sein Name Axel. Aber Axel wollte nicht aufstehen, Großvater schaute ernst .
In dem Moment  kam die Sippe von Frankfurt zurück, beschmipften meinen heißgeliebten Großvater mit allem was ihr euch vorstellen könnt. Wie kannst Du…. , das Kind damit überfordern, der Tierarzt muss  kommen die Nachgeburt – ….
Was Nachgeburt ,  die Schimmel kann nicht mehr…., was war denn eine Nachgeburt??

Großvater sagte nur zu mir, kümmere Dich um das Kalb, wenn es bis morgen nicht aufsteht, können wir den Abdecker bestellen. Schweigend  verließ er den Stall und überließ das Feld den Tierarzt, Nachbarn, mein Vater….

Axel legten sie in einen kleinen Verschlag mit Heu und Stroh. Keiner dachte so richtig, dass das Kalb überleben würde.
Mich hatten sie vor Aufregung vergessen. Ich streichelte das Kälbchen, meine Tränen rannen in sein Fell.
Irgendwann schlief ich völlig erschöpft ein.  Im Halbschlaf hatte ich wahrgenommen, wie mein Großvater mich  zugedeckt hatte. Morgens erwachte ich, eine rauhe Zunge fuhr mir durchs Gesicht. Axel stand über mir und war ganz munter.  Trinken wollte er nicht. In den nächsten Wochen zog ich ihn mit der Flasche auf und er gedieh prächtig.

Solche Jungbullen wachsen enorm schnell und unser kleiner Stall war nicht geeignet für die Haltung der Jungbullen, Großvater erklärte mir, dass man sie trennen muß….

Immer quälte mich der Gedanke, dass eines Tages der schrecklich  fette, schweißtriefende Metzger mit dem  roten Auto auftauchen würde….  Großvater versuchte mich auf den Tag X vorzubereiten. Er hielt mir Vorträge über Nutztiere, Kreislauf des Lebens…. 
Eines Tages bestellten sie den Metzger, während ich in der Schule war. Aus irgendeinem besonderen Grund, war mir übel und ich lief ganz alleine die 3 km Schulweg nach Hause. Von weitem sah ich das rote Auto des Metzgers. Nein, dass ist nicht wahr !! Großvater nahm mich auf den Arm, versuchte mich zu beruhigen. Seit 2 Stunden versuchten sie Axel aus dem Stall zu bekommen, vergeblich. Großvater versprach mit Gott und die Welt, wenn ich Axel auf den Viehwagen führen würde. Der Metzger lachte und sagte, noch jeden Bullen habe ich auf meinen Wagen bekommen – bis Du nicht willig , so brauch ich Gewalt –
Bevor sie Axel noch mehr aufregten,  ihm jede Würde nahmen, ließ er sich von einem 9 jährigen kleinen Mädchen aus dem Stall führen….. Kalbfleisch – mag ich bis heute nicht – warum das kann man doch verstehen  – oder – .