"Hefe, Geschnetzeltes, Bauerbrot, Baguetts,,,,"

Schreckliche Tage, grausame Ereignisse und der Täter kommt aus meiner Heimatstadt – Montabaur-

Normalerweise gelingt es mir durch viel, viel Arbeit zum Alltag überzugehen.
Diesemal ist aber alles anders, Resturlaub habe ich zwei Tage – er verfällt – muß zwingend genommen werden.
Die Schulter schmerzt immer noch, ich kann nicht zum Sport.

Meine Verdrängungstaktik heißt Kochen, Backen und Nachdenken, Lesen und einfach nichts tun.
Das Nichtstun fällt mir unsagbar schwer. Gestern war ich mit Freundinnen die neueste Frühjahrmode
anschauen – habe mir ein royalblaues Outfit gekauft – war lecker Sushi essen, Ratschen…
Ausschlafen – nein – das geht nicht!

Die innere Uhr , die Vögel zwitschern und ich bin hellwach.
Die asiatische Hühnersuppe hat die ganze Nacht geköchelt auf Stufe 1.
Richtig gehaltvoll, asiatische Schärfe ein Duft.
Zitronengras, Ingwer, Chili, Limone und das französische Suppenhuhn liefert schönes Fleisch für
die kleine Suppe, Glasnudeln, einwenig Gemüse mehr brauchts nicht.

Dann Mandel-Aprikosen-Zöpfe, Sauerteigbrot, Baguettes.. Geschnetzeltes in Sahnesoße mit verschiedenen Pilzen
frische Kräuter…

Kochen, Backen hilft immer, beim Traurigsein, beim Aufgeregtsein, beim Verliebtsein, beim…..
Das ist die Lösung, die Droge die alles heilt. Liebe geht durch den Magen – langsam verliert der Tag den Schrecken,
wir sitzen am Tisch und jeder versucht zu verdrängen, vergessen, das Leben weitergehen zu lassen.

Das wunderbare Essen wärmt die Seele, wir entspannen uns und erkennen, was eigentlich wirklich wichtig ist im Leben:
Gesundheit, Freunde, geistige u. körperliche Beweglichkeit, Humor und eine Liebe, die alles verzeiht, versteht.
Sorry es ist 22.42 Uhr, das Sauerteigbort ist schneller backbereit
– ich schiebe es mal gerade ein –

Heute: 450 gramm Roggen/200 gramm Weizen 1050/ 100 gramm Manitoba Mehl, Sauerteig gemischt Roggen/Weizen
Wasser, Salz, Meggies -Brotgewürz – sonst nichts.

Backzeit:55-60 Min.
Muß ja morgen nicht arbeiten…

"Uff, Weihnachten vorbei "

Weihnachten ist vollbracht, die 9 kg Pute ist verspeist, die Knödel waren wunderbar, das Blaukraut mit Quitten war ein Traum, die Suppe mit Flußkrebsschwänzen eine Offenbarung, bei meiner winterlichen Mousse schmolzen die letzten – „Nein – nicht so viel – ….““ dahin.

Eigentlich habe ich vom 23.12-26.12.2014 gekocht, gekocht, gebacken, angerichtet, Tisch gedeckt und Berge von Geschirr
bewegt. Induktionsplatte, der Herd hatte keine Erholung.

Meine Tischdekorationen – eher schlicht – den die Männer mögen es nicht wenn so viel „Kram“ darumliegt, denn wo sollen den sonst die dampfenden Schüssel mit Knödel, Blaukraut die Riesenplatten mit Fleisch oder das Raclette hin.
Denn Weihnachten sitzen sie alle am Tisch und reden, reden, reden und warten auf die Vorspeise, den Hauptgang, die Nachspeise… das Schnapserl…

Dabei hatte ich dieses Jahr auf Weihnachten so gar keine Lust, kein Gefühl von Wärme, Sehnsucht nach roten Wangen, nach langem Spaziergang, keine Idee für Geschenke, die volle Stadt widerte mich regelrecht an.
Dieses künstliche „Liebe , Wärme “ erhaschen, einmal im Jahr… Die Hetze nach Geschenken, größer, wertvoller , mehr, mehr. Die „verkleideten“ illumnierten Innenstädte, keinen Tisch in einem halbweg passablen Lokal ist zu bekommen, wäre doch Weihnachten vorbei…

Da vergeht selbst der Weihnachtsfee persönlich die Lust an Weihnachten.
Am 23./24.12.2014 mußte sich mein lieber Gatte dem Kampf um das Messer stellen.
Denn einmal im Jahr verschenkt unser Lieblingsmetzger – wo die Riesenpute – vor Wochen bestellt -, das Filet, die Kalbsscheiben.. auf Ihre Abholung warteten, ein Messer, mal ein Taschenmesser, mal ein großes Messer, jedes Jahr
pilgern hunderte von Menschen an den zwei Tagen kurz vor Weihnachten, um ein paar Würstel, einen Leberkäs zu kaufen und das begehrte Weihnachtsgeschenk in Empfang zu nehmen. Dieses Jahr war ganz schlimm, einen Straßenzug , um die Ecke standen die Menschen in Zweiherreihen und warteten geduldig, bis sie dran waren.

Weihnachten findet da statt, wo sich Lachen, rote Wangen – ob vor Vorfreude – oder vom Kochstress miteinanderverbinden und der alljährliche Kampf mit dem Baum – immer wieder neu anders sich ergibt.
Zu lang, zu breit, nicht schön gewachsen – oh , je Heiligabend 13:15 Uhr, die Lichterkette funktioniert nicht mehr.
Wachskerzen – mein Kindheitstraum – zu gefährlich….
Kein Problem , es gibt ihn ja noch den Elektrohändler gleich ums Eck, viele treffen sich heute da, ein Birnchen fehlt,
eine Leselampe und zwei moderne , energiesparende Lichterketten gehen über die Ladentheke, es wird gelacht, gescherzt und „Frohe Weihnachten “ ruft man sich zu und verläßt fröhlich den Laden.
Ja und manchmal gibt es die zufälligen, leisen, gemütlichen Minuten oder gar 1/2 Stunde in meinem kleinen – großen – Bücherladen einen Steinwurf von meiner Wohnung entfernt.
Dort versank ich dann am Vormittag an Heiligabend in dem riesigen Biedermeiersofa, genoß den besten Capuccino des Viertels, schmökerte in Krimis, Kunstbänden, Neuerscheinungen, eleganter Prosa.. so ein Buch für Papa, ein Buch für Tochter und Sohn und eins für mich
eine nette CD mit bayrischen, witzigen Texten, frecher Musik für Inge.

Meine diesjährigen Rezepte will ich Euch nicht vorenthalten, sie folgen und sind eigentlich nur Ergänzungen, kleine Versuche Traditonen zu verändern, denn alle haben es sicher schon im Archiv gelesen, es gibt jedes Jahr das gleiche
Menü , dessen fester Bestandteil die fette Pute ist.

Bis später, gerade läuft meine „Spezialbrioche“ i. der Küchenmaschine, den Brotteig für die „Frühstücksbaguette“ (aus Roggen, Weizendunstgemisch mit frischem Roggenschrot)
geht schon an einem warmen Ort. Es ist 10:00 Uhr , meine Familie ruht in sich und ist sicher vor 12:00 Uhr nicht anzutreffen.

Allen wünsche ich einen entspannten, ruhigen , winterlichen Spätweihnachtstag mit Bratäpfeln, selbstgemachtem Glühwein
(Rezept s. Archiv) …
Schönen Sonntag !

"Haushaltsschubladen, Erinnerungen, Stilleben"

Diese  Schubladen kennt jeder,  vollgestopft mit vielen nützlichen Dingen, Küchenhelfern,  Gemüseschneider, Apfelreibe,  Melonenausstecher, Gummiringe,  Spargelschäler, Kartoffelschäler….. endlose wäre die Liste fortzusetzen.
Den teuren Gemüseschäler von der berühmten Marke nehme ich nie, der billige Kartoffelschäler von der Auer Dult , den brauch ich.
Die Geflügelschere ist seit langem stumpf, aber irgendwie hänge ich an ihr. Mein Vater schenkte mir sie Ende der 80ziger…., damit ich endlich das Geflügel teilen konnte….Vater ist seid vielen Jahren verstorben, die Geflügelschere hab ich immer noch..

Dann diese Unart, die Korken hier aufzubewahren  -angeblich weil Kork wertvoll ist und man mal etwas Schönes draus machen will-  Diese  gewollte Unordnung zwischen Dosenöffner u. Korkenzieher hat was!!
Einen kleinen Blick in das Schubladenchaos will ich dem  Leser gönnen:Mango-Wok 001Mango-Wok 002

Auch in dieser Schublade befindet sich etwas einzigartiges… „Mein Kneipchen“
Eine Sonderstellung – Prädikat wertvoll – erhält mein „Kneipchen“. Was ist ein Kneipchen???
Ein Kneipchen ist in der Küche einfach unendbehrlich, ein Kneipchen darf man erst ab ca. 14 bedienen, wenn man sich bewährt hat. Ein Kneipchen hat seine Tücken, ist Helfer in der Not, kann Augen auskratzen, kommt in kleinste Zwischenräume, ersetzt oft einen Schraubenzieher…
Dieses geheimnisvolle Küchengerät hat Geschichte.
Als ganz kleines Mädchen, saß ich auf dem Schoß meines Großvaters und er schälte Äpfel, schnitt hauchdünne Scheiben mit dem Kneipchen. Der Apfel schmeckte zu erst etwas nach Eisen, aber dann schob ich genüßlich einen Apfelschnitz nach dem anderen in den Mund.

Die Geschichten meines Großvaters waren immer irre spannend, sie handelten von den großen Denkern, wie er sie nannte, den einen Satz weiß ich noch ganz genau:““Wenn du zum Weibe gehst, vergiß die Peitsche nicht!“ So hat es Nietzsche geschrieben , erklärte mir mein Großvater. Kind, aber vor solchen Männer nimm Dich in Acht, laß Dich nie unterdrücken und auf keinem Fall von einem Mann, denn die Männer sind manchmal nicht gescheit…., aber Frauen schon. Er konnte die Philosophen und ihr Denken so anschaulich erzählen.
Auch grausame Kriegsgeschichten aus dem 1. Weltkrieg, ich schloß manchmal die Augen und schluckte die Tränen unter. Nicht doch, komm nimm noch einen Schnitz.
Ach und Kartoffeln müssen wir auch noch schälen und mit dem Kneipchen stechen wir denen die Augen aus..“

Bis heute habe ich ein Kneipchen. Es will immer die „Hauptperson“ in der Schublade sein, wie man deutlich sehen kann. Mango-Wok 003Mango-Wok 006

"After Valentinstag"

Mein Valentinsmenü hatte bei den „Küchengöttern“ gewonnen….. , obwohl ich es -ehrlich – nicht angestrebt hatte.
Dies nahm ich zum Anlaß mich doch einwenig näher mit der Materie zu beschäftigen. Warum  ist es an diesem Tag so wichtig,  was man ißt, trinkt……

Die Menschen wollen  schnell, gut, alles perfekt organisieren essen und lieben und haben dennoch diese alte Sehnsucht: „Liebe geht durch den Magen“
Doch das  war gestern. Heute heißt das Zauperwort „Quickie-Food“,  „(S)experten-Dinner“,  „Kamasutra-Menü“, heißen die Valentinsmenüs
Wo  ordne wir uns ein ?? Das „Kamasutra-Menü“ – für Interlektuelle die „Quicki-Food“ für die durchorganisierten, zielorientierten Mittdreißiger mit Bindungshemmung ?, die „(S)experten-Dinner“ für die ganz Abgeklärten, Spezialisten…
Für mich geht Liebe durch den Magen, ehrlich, sinnlich ….
Nächstes Jahr, beflügelt, einwenig Luxus, Austern, Champagner …
Liebe geht durch den Magen!