"ein typisches Wochenende in München"

Weit verbreitet ist die Meinung, dass man nur Entspannung und neue Energie gewinnen kann, wenn man sich ausruht. Wellness haucht man mit leisen Tönen und Meeresrauschen den Menschen ins Ohr. Massage, Anwendungen, Romantikhotels, Essen und Trinken vom Feinsten.

Sicher ab einem bestimmten Alter, zu einem bestimmten Anlaß gar nicht sooo verkehrt.
Wie immer im Leben reagieren die Menschen positiv, wenn sich etwas bewegt, das Leben etwas hergibt.

München bekanntlich die südlichste Stadt Italiens, bietet da eine andere Art der Entspannung.
Allein bedingt durch die jeweilige Wetterlage müssen die Menschen kurzfristig sich auf entsprechende Aktivitäten einstellen.

Im Sommer ist es daher wichtig die Freizeitorganisationen gut vorzubereiten.
Im Auto liegen, die Strandmatten für mind. 6 Personen griffbereit – Strandlaken u. Badesachen ebenfalls – , denn plötzlich sind es 25-30 Grad und der See ruft.

Der gepackte Bergrucksack ist ebenfalls gepackt:
Fleecejacke, Regenjacke, Kompass, Karten der „Münchenerhausbege“, Sonnenschutzmittel „high“, die Sonnenbrille zum Wandern,
Ersatzsocken,Ersatzshirt, Trinkflasche – leer – , Blasenpflaster, Müsliriegel, Magnesiumtabletten zum Auflösen. Bergschuhe, gepflegt mit Zeitungspapier ausgestopft – griffbereit – steht der Rucksack, denn es könnte ja ein herrlicher Wandertag sich ergeben mit milden Temperaturen u. guter Sicht.
Den kleinen Korb mit Küchenrolle ausgelegt habe ich auch immer parat – es könnten ja Pilze zu finden sein, Beeren oder Kräuter.

Wenn ist einwenig zu warm zum Wandern ist, aber zu kühl zum Baden, dann ist Radlwetter.
Rucksack/Satteltasche ist gepackt mit, Regenhose-bzw. jacke, Luftpumpe -klein u. effektiv, Radlsonnenbrille, Trinkschlauch, bzw. Trinkflasche, Radlhose, Trekkingsandale oder die Radlschuhe. Handtuch ganz leicht aus Microfaser,Badeanzug wenn man dann doch auch Baden gehen kann.
Kartenmaterial, liegt griffbereit unter dem Rucksack. Je, nach Tour …
Ein paar Power-Riegel. Eine Plastikschale, Küchenrolle habe ich auch immer dabei, falls wir bei den Beeren vorbeikommen zum Selbstpflücken.

Ab Mittwoch ist es für den Müncher zwingend, den Wetterbericht im Internet auf verschiedenen Seiten ständig zu überprüfen, um dann rechtzeitig die richtige Freizeitaktivität zu wählen.
Dann muß der Terminplan überprüft werden, wann kommen Falkos, wann sind wir wo eingeladen, das Wochenende vom… wollten wir mit … ins …. Tal verreisen.

Doch der Münchner hat über die Jahre ein spontanes Freizeitverhalten entwickelt. Die Planung kann immer kurzfristig gestaltet werden.
Hier eine Kurzfassung eines sehr erholsamen, aktiven Wochenendes einer durchschnittlichen Münchner Familie:

Freitag: Arbeitsende 17.30 Uhr
Treffen: 18.30 Uhr mit einer lieben Freundin, die gerade aus Peking zurückgespült
wurde und viel zu erzählen hat
Lokal: Tisch drinnen und natürlich draußen reserviert
Wir sitzen draußen, es ist lau, warm u. genießen,
überbackene Feigen auf Ziegenkäse, Kurbisgnocchi mit Lachs u
Pfifferling, Schnitzel , Salat, Bratkartoffel, einen ehrlichen Veltliner
Wir sind natürlich die letzten Gäste… die Nacht ist warm, die Menschen
sind unterwegs, überall wird gelacht, die Gläser klingen…

Samstag: Der Schlafsessel kann nach 12-13 Wochen Lieferzeit abgeholt werden.
9.OO Start der Herren des Hauses Richtig Parsdorf

Kürbis, Äpfel, 10 kg Zwetschgen stellen sie mir vor die Tür.
Die Damen des Hauses, beginnen nach einem kurzen Espresso mit dem ent-
kernen der Zwetschgen, fest, sind sie, keine faulen, wurmigen, tolle
Früchte. Ach wir haben auch meine Kakteenfeigen bekommen.
So entsteht morgens um 10.OO Uhr mein Rezept für das außergewöhnliche
scharfe Marmelade.DSC01764

500 gramm Zwetschgen
250 gramm geschälte Kakteenfeigen, in verschiednen Farben
(rot,gelb,grün)
1 mittlere scharfe, rote, frische Paprika
2 große Peperoncini
500 gramm braunen Rohrzucker
1 Zitrone
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Heute muß die schnelle Variante erfolgen, normalerweise lasse ich den
Zucker erst karamelisieren.
Das Wetter ist zu gut, außerdem habe ich noch heute mind. 2 Termine..
So verrühre ich den Zucker mit den Früchten (Feigen, Zwetschgen)
Schneide die Paprika klein u. die Peperoncini hacke ich klein, heute
kommen auch die Kerne mit hinein.
Die Masse lasse ich kochen, bis sich alles einwenig verbindet u. nun
kommt der Stabpürierer zum Einsatz.
Kurzer Geliertest, paßt. Die heiß ausgespülten Gläser warten schon.DSC01772
Tipp: Gläser ins Spülbecken, Wasser mit dem Teekochen zum Kochen bringen
Übergießen, auf trockene Geschirrtücher stülpen u. befüllen.

Test: klasse, Schärfe ergänzt Zwetschgen u. Feigen
Ausbeute 5 Gläser – eigentlich zu wenig – na, ja

Kurzes Frühstück, mit Pizzabaguette. Am Donnerstagabend hatten wir aus
800 gramm Mehl, 200 gramm Gries, Hefe, Wasser einen hervorragenden Pizza
teig gemacht. Da wir nur mit drei Personen waren, blieb ziemlich viel
Teig übrig. Mein Sohn hatte ihn fein säuberlich in Frischhaltefolie in
den Kühlschrank gelegt. Nachdem der Teig sich etwas aklimatisiert hatte,
formte ich kleine Baguettes, bepinselte sie mit etwas gesalzenem Wasser
und heizte den Ofen auf 250 grad auf.
Ungefähr 1-4 Min. gönnte ich dem Brot die 250 grad, dann nahm ich die
Temperatur etwas zurück, auf 230 grad und in 8 Min. entstanden
ein herrliche Baguettes.
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Der Hefeteig hatte sich im Kühlschrank super entwickelt. So
entstand Rezept Nr. 2 an diesem herrlichen, sonnigen Morgen.

Dann produzierten wir, die Damen des Hauses. Rezept:
http://www.kuechengoetter.de/rezepte/Brotaufstrich/-Rotwein-
Zwetschgenmarmelade–2290281.html

http://www.kuechengoetter.de/rezepte/Marmeladen-Gelees/-winterliche-
Zwetschgenmarmelade–2312651.html
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Gegen 13.OO hatten wir uns im Stadtcafe verabredet u. auf dem Viktualienmarkt wollten wir auch noch ein paar Besorgungen erledigen.
Ein so schöner Tag, bei einem guten Weissbier, Brezen u. Weißwurscht, ließen wir die Seele baumeln. Die Besorgungen nahmen doch länger in Anspruch – na , ja.
Die Männer hatten das Marmeladenkochen an sich gerissen und hatten inzwischen die seltsamsten Kombinationen gekocht, scharfe Apfel-Banane-Marmelade, etwas dünnflüssigere Kombi aus Zwetschgen u. div. Gewürzen für winterliche Eisüberraschungen, die Rezepte , nein sie wissen es nicht mehr genau. Männer halt! !

Nach einer kurzen Ruhephase fuhren wir aufs Land zu Freunden.
Ein toller Spätsommerabend, mit sehr, sehr gutem Essen, Wein, tollen Nachspeisen, Käse
beendete den Sonnentag. Gegen 3.OO Uhr morgens waren wir zu Hause.
Ein schöner, ausgefüllter Tag, bei dem sich alle entspannt hatten, viel gelacht hatten u. das ist für mich Wellness der Extraklasse.

Sonntag, alles schläft, keiner will aufstehen. Nach einem späten Frühstück, setzen wir den Hefeteig für den Zwetschgenkuchen an, belegen ihn u. lassen ihn nochmal „gehen“.
Denn wir müssen an den See, der Starnberger See trotzt mit seiner ganzen Kraft dem Sommerende. Es ist richtig heiß, blauer Himmel, die bunten Segelboote gleiten lautlos über den See, der milde zu lächeln scheint.
Wir stürzen uns in die Fluten und ich schwimme, schwimme. Nach 1 1/2 Stunden kann ich mich erst von dem kühlen, erfrischendem Naß trennen.
Es sind schon 18.OO Uhr, nein eigentlich will ich nicht gehen. Es ist sicher der letzte Badetag des Jahres, die Sonne verliert ganz langsam an Kraft und der See erscheint gold im Licht des nahenden Abends. DSC01756DSC01758

Schnell sind wir zu Hause, den Stau haben wir geschickt gemeistert. Herrliches Lamm, kleine würzige Köfte, grillen wir , dazu Ruccula-Salat mit frisch geriebenen Pecorino, Oliven
gut gekühltem Weißwein….., die Kerzen schmeicheln der nahenden Nacht.
Zwischendurch entsteht der saftige Zwetschgenkuchen im Ofen von selbst.
Doch das Ende kommt, wie so oft in München innerhalb von Minuten, Sturm, Blitz, aber kaum Regen, so kann ich noch einwenig Tatort schauen….

Das ist doch Wellness, Entspannung pur.

Entspannt, glücklich und zufrieden gehe ich schlafen und träume von Zwetschgen, blauen Seen…