„Servus – 2020 „

Ich beende das Jahr mit einem herrlichen Spaziergang – in der Nähe von Bernried am Starnbergersee.

Hier war ich 2020 sehr oft – die Seele baumeln lassen, schwimmen, schwimmen – die Welt vergessen.

Die Natur hat jeden Tag eine Überraschung für uns ! Die schwarzen Eichhörnchen springen keck in den Wipfeln der Bäume und grüßen frech: „Ja, das möchtest du auch, aber ihr Menschen seit viel zu schwerfällig, unbeweglich und habt keinen Mut!“

Fotografieren – ließ es sich nicht. Obwohl es so schön war, einen weißen Bauch, gecke, fröhliche Äuglein, spitze Öhrchen.

Sollten wir uns nicht an diesem kleinen Wesen ein Beispiel nehmen, etwas mehr Leichtigkeit, etwas mehr Mut in Alltagsdingen, etwas mehr Zuverzicht –

Das wünsche ich allen meinen Lesern!

2021 ist zwar noch blaß, aber der Backofen sagt: „werd scho“

Frühstücksemmel 2021

Das Schwein schaut noch grimmig drein, muss sich halt dran gewöhnen, dass wir „Schwein“ haben.

„Back to the Roots“

(Werbung, da teilweise Namenserkennung )

Manchmal, aber nur manchmal, sehne ich mich nach dem Essen meiner Kindheit zurück.

Immer dann, wenn dieser Hunger von ganz unten aus der Magengegend hochkommt – ich nenne ihn das Urgefühl des Bedürfnisses, schnell, warm und die Sinne schmeichelnd – sich in das Stadium der Sättigung zu versetzen. Es macht sooo glücklich, zufrieden und die Krönung ist dann nur noch der gute Schluck – Wasser, Wein , Saft….

Der Winterspaziergang in frischer, kalter, womöglich windiger Luft erzeugt dieses Urhungergefühl , das gleißende Licht eines Wintertages unterstützt diese Sehnsucht, nach warmen, wohlschmeckenden Speisen.

Es sind die Speisen, die oft lange simmernd gegart werden (Suppen, Fleischragout, cremige Eintöpfe, Bratäpfel, frisches Brot mit guter Butter)

Allerdings wenn der Urhunger einsetzt, ist mir die Suppe zu heiß, der Bratapfel zu kompliziert zu essen, er muss nämlich mit Vanillesoße angereichert werden!

Einen lauwarmen Kartoffelsalat mag ich dann, der bereits im Backofen steht- auf niediger Temperatur – eben mundgerecht. Dazu eine wirklich sehr gute Metzgerwurst – oder auch nicht – denn die wirklich guten Metzger, welche Würste herstellen scheinen auszusterben.

Meinen lauwarmen Kartoffelsalat mit einfachen, guten Zutaten werdet ihr lieben!

Zutaten zum warmen Kartoffelsalat

Das wichtigste sind gute, festkochende Kartoffeln – die nicht „Fisch nicht Fleisch“ Karotffeln – nicht fest – mittelmehlig – oder gar nichts – taugen absolut nicht für den lauwarmen, leicht schlotzigen , ausgewogen gewürzten Kartoffelsalat.

Voraussetzung für den besten Kartoffelsalat ist außerdem, dass die Kartoffeln warm verarbeitet werden, gut gedämpft sind, direkt geschält und dann mit der warmen

Vinaigrette überzogen werden. Wie immer bestimmen die Zutaten das Ergebnis.

Zutaten:

2,5 kg Kartoffel

2oo gramm besten , trocknen gut durchwachsenen Speck

2 mittlere weiße Zwiebeln

1/2 Liter beste Brühe (Fleich, Gemüse oder Geflügel)

1/2 Bund Petersilie

für die Vinaigrette:

neutrales Öl

Djion- Senf

Apfelessig

einen kräftigen Schuss Gurkenwasser

Gewürze: Salz aus der Mühle, Muskatnuss frisch gerieben, schwarzer Pfeffer, Abrieb vom Kren (Meerettisch)

Zubereitung:

Schritt 1 :

Die Kartoffel am besten im Dampftopf mit Schale kochen. Gut ausdämpfen lassen und noch warm pellen und in Scheiben schneiden.

Schritt 2 :

bzw. während des Dämpfens der Kartoffeln

Speck in möglichst kleine Würfel schneiden, Zwiebel klein würfeln

Schritt 3 : Brühe erhitzen, Speck in fettlose Pfanne geben und zusammen mit den Zwieblen farblos anschwitzen.

Petersilie mit dem Wiegemesser hacken und zur Speck-Zwiebelmasse geben, die heiße Brühe angießen und auf ganz kleiner Flamme leicht simmern lassen.

Schritt 4 :

Vinaigrette:

Öl,Senf, Meerettisch zu einer homogenen Masse verrühren, mit gutem Apfelessig anreichern, leicht salzen und abschmecken. (Mengen variieren, je nach Kartoffel , Grundsatz: 2 Teelöffel Senf, 80 ml Öl, 40 ml Apfelessig) ggfs. erweitern.

Die Vinaigrette mit dem Schneebesen gut vermischen und zur Speckbrühe geben , umrühren – nicht mehr aufkochen!

Die Masse über die warmen Kartoffel geben und mit den Händen vorsichtig vermischen. Am besten geht das mit Handschuhen (Einmalhandschuh).

Final: mit Muskatnuss, schwarzem Pfeffer, einer Spur frischgeriebenem Kren und ggfs. aber weniger ist mehr , Salz abschmecken

Dazu die gutdurchgezogene Wurst, das Kassler , die groben geräucherten Würste aus Westfalen ….

Dann kommt das Gefühl „back to the roots“ in Euch auf, wenn ihr wisst was ich damit meine.

schlunzig, mundgerecht gewärmt...

Ein besseres Foto war mir nicht vergönnt – zuviele Menschen mit dem Urgefühl des Hungers waren …..

„es ist vollbracht, vorbei die Weihnachtspracht….“

Dieses Jahr war irgendwie kulinarisch das Weihnachtsfest bei mir völlig anders.

Wie ihr in den vergangenen Jahren im Dezember lesen konntet , gab es immer aufwenidge Menüs, Gäste, Riesenvögel (Puten) und der Einkauf fand final am 24.12. ab 5.OO Uhr morgens statt.

Die Einkaufmöglichkeiten waren sehr beschränkt , es sei denn man war bereit mind. 1 Stunde Schlange zu stehen. Am Viktualienmarkt standen die Leute bis zum Marienplatz habe ich mir berichten lassen.

Die Folge – eine Woche vor Weihnachten, ebenfalls unter erschwerten Bedingungen war es meinem Gö-Gatte (Göttergatte) gelungen einen großen Rinderbraten zu ergattern.

Knapp 4 Kilo – wow – das ist für 4 Personen viel zu viel und wo sollte ich ihn lagern.

So entstand der spezielle Sauerbraten . Leider keine Fotos vorhanden, außer dem hier.

weihnachtlicher Sauerbraten wartet auf seinen Einsatz

Mit dem Herstellen der Beize will ich Euch nicht länger langweilen. Nur so viel:

guten Wein, guten Balsamico und „1000 Gewürze“ einschl. Zimt, Sternanis, Kardamon – weil doch Weihnachten, nach Weihnachten schmecken sollte.

Das Fleisch ruhte 7 Tage in der Beize – wurde täglich von mir getäschelt und gewendet.

Am 1. Weihnachtstag – angebraten – 5 Stunden im Ofen im alten „Freund“ Bräter aus dem 17. Jahrhundert gegart, zwischenzeitlich Knödelmassen, Blaukraut vorbereitet.

Die Soße aufwendig aufbereitet, mit Lebkuchen, Trockenobst bester Güte und dann war es still.

Mir erteilte man Fotoverbot und sie gaben sich hin, dem hemmungslosen Schlemmen, ein Knödel nach dem anderen – das Blaukraut ist dieses Jahr ganz besonders gut.

(wurde ja auch von mir massiert, mit Rotwein, Salz eine Nacht durfte es ruhen, bis es mit Quitten, div. Gewürzen und meinem Griebenschmalz…. )

Die Soße ein Gedicht, lobte Gö-Ga und das tut er selten – wenn er wüsste, dass da der Lebkuchenmann…

Für mich war es kein Weihnachtsessen!

Jetzt wisst ihr was es gegeben hat – s. Beitrag Kinder morgen wird’s was geben .….

Hoffe inständig, dass ich irgendwann wieder ein würdiges, schönes Weihnachtsmenü kochen kann und der Tisch ausgezogen wird für mind. 15 Leute, das ist Weihnachtsessen!

Wir haben uns dann davongeschlichen, heimlich und ganz leise sind wir in das Voralpenland gefahren und sind einfach gelaufen, gelaufen gelaufen. Ein kleines Foto will ich Euch gönnen, mehr nicht sonst kommt die Lockdown-Polizei.

„Frohe Weihnachten, Merry Christmas, Joyeux Noel, Buon Natale,Feliz Navidad „

Das Wesentliche einer Kerze ist nicht das Wachs da seine Spuren hinterlässt, sondern das Licht!

Antoine de Saint-Exupéry

Die Wärme, die Freude, die Spannung dieses Tages dieser Nacht,

bringt uns mit bedacht,

ein stilles Hoffen, ein freudiges Warten auf die strahlenden Tage die da kommen werden

denn die Geisel der Pandemie muss enden,

damit die Ausgelassenheit, die Freude zurückkehrt auf Erden

Ich wünsche Euch frohe, besinnliche, geruhsame Weihnachten und einen sanften, entspannten Rutsch in das Jahr 2021

Mechthild Kuhl

„Frühstück ist fertig….“

Eigentlich wollte ich eine Bloggerpause einlegen, um mich ganz meinen kullinarischen Vorbereitungen zu widmen (z. B. einen richtig dicken, fetten Rotwein-Nuss-schoko-kuchen backen, Schupfnudelteig – rote Beete abkochen, Blaukraut massieren, Schwarzwurzel putzen…..)

Dezembersonnenaufgang
7:30 Uhr

Die Tage sind kurz, der Schlafrhythmus hat sich angpaßt – spätes oder gar kein Frühstück. Im übrigen ein großes, spätes Frühstück vorzubereiten ist richtig Arbeit.

Das ist übrigens das Einzigste – was mein Gö-Ga (Göttergatte) „kochen kann“.

Meine Winter-Weihnachtsvariante will ich Euch nicht länger vorenthalten, sie ist einfach simpel und sooo guuut! Knackiger, rescher Speck , wachsweiche Dotter, geröstetes Weihnachtsbrot – wie das duftet – Koreander, Anis, Fenchel

Da kommen die Geister aus ihren Löchern

Wow, wie g (Unwort des Jungvolks)

Rezept:

  • Roggenbrotscheiben in eine leichtgeölte Grillpfanne legen
  • Wammerl (geräucheter Bauchspeck) dünn aufschneiden (m. d. Brotmaschine)
  • und in der beschichteten Pfann von beiden Seiten gross rösten
  • Eier ohne weitere Fettzugabe in die Pfanne aufschlagen
  • Temperatur zurück und ganz langsam den Dotter wachsweich werden lassen
  • eine Spur schwarzen Pfeffer….

Der Morgen ist schon mal gerettet.

„Morgen Kinder wird’s was geben….“

Die Straßen, Plätze und Gassen sind leer,

das Christkind will dieses Jahr nicht mehr,

hetzen, jagen, kämpfen durch die Massen

und die vollen Fußgängerzonen hassen.

Was tun die Menschen bloß so einsam bei

Gans und Kloß

Gemütlich haben sie sich es doch schon lange gemacht,

mit der Schwiegermutter endlich für immer verkracht.

Essen, Trinken und mit dem Struppi ums Haus,

vergessen sind die langen Staus.

Schlange stehen wie im Krieg,

hamstern, schachern und erhaschen,

mühsam heimgeschleppt die schweren Taschen.

Was mag das Christkind den meinen siebenköpfigen Raupen bringen,

die fleißig backen und liebevoll basteln, putzen

Sicher Kinder wird’s was geben !

Eine geheimnisvolle Schüssel steht auf dem Balkon,

das Christkind wartet schon

viermal werden wir noch wach,

…. dann ist….

„Gewürztes Weihnachtsbrot“

(Werbung, da Namensnennung)

Geht es Euch auch so, nach Baguette, Weissbrot, Stollen, Plätzchen hat man meist nachts Appetit auf ein herzhaftes kräftiges Brot mit guter Butter oder schönem Rohmilchkäse. Brot auf Vorrat einkaufen – eher nicht sinnvoll – einfrieren, die Fächer sind in diesen Tagen vollgestopft, nachdem das Einkaufen zur Geduldsprobe geworden ist. Ein schönes Kalchkendlkrustenbrot analog Plötzblog wäre das nicht die Lösung? Dieses Brot hält sich gut eine Woche – ohne trocken zu werden .

Die ausgetüfftelten Mengenangaben habe ich grundsätzlich übernommen, allerdings andere Mehle verwendet, sowie eine spezielle Gewürzmischung hergestellt und dies ist unter anderem das Besondere an diesem Brot.

Von der Stollen- und bzw. Panettonebäckerei hatte ich noch aktiven Lievito Madre und mehr aus Versehen meinen Roggensauerteig mit 50 % der sonstigen Wassermenge aufgefrischt. Es entstand ein triebstarker, fester Roggensauerteig Ansatz.

Schon beim verifizierten Ruchmehlbrot hatte sich die Mischung aus beiden Sauerteigen bewährt. Es entstand ein Roggenbrot mit einem Anteil bayrischem Bio-Ruchmehl das selbst meine widerborstigen Kritiker überzeugte.

Hier die Zutaten:

  • Roggensauerteig
  • 180 gramm Roggenmehl 1370
  • 190 gramm Wasser 50 grad warm
  • 40 gramm Anstellgut – flüssig – aus dem Kühlschrank
  • 4 gramm Salz
  • Weizensauerteig weich
  • 60 gramm bayrisches bio Ruchmehl (Drax-Mühle, Rechtmehring)
  • 60 gramm Wasser 40 grad warm
  • 3 gramm Lievito Madre

Weizensauerteig fest

  • 36 gramm bayrisches bio Ruchmehl
  • 18 gramm Wasser 40 grad warm
  • 36 gramm Anstellgut Lievito Madre

Hauptteig:

Roggensauerteig

Weizensauerteig weich

Weizsauerteig fest

282 gramm Roggenmehl 997

150 gramm Wasser (70 grad warm)

9 gramm Salz

1 schwach gehäufter Teeläffel Röstmalz – Roggen – für die Farbe

Gewürzmischung:

insgesamt ca. 1 1/2 Eßlöffel zzgl. Abrieb karamelisierter Ingwer (scharfe Variante – wenig gezuckert Spanischen Fruchthaus, Rindermarkt München)

Die Gewürzmischung besteht aus Koreander, Kümmel, Fenchel und eine extra Zugabe von Anis. Die Mischung in der fettlosen Pfanne anrösten und final in den Teig mischen.

Abrieb vom karamelisierten Ingwer frisch reinreiben ca. 3 gramm.

Am Abend vor dem Backtag die obengenannten Teige zubereiten, abdecken und über Nacht bei Raumtemperatur sich selbst überlassen ( mind. 12 Stunden)

Den festen Teig nach ca. 5-6 Stunden kalt stellen (Kühlschrank oder Balkon ca. 4-5 grad C)

Am nächsten Tag:

Die Zubereitung ist sehr einfach, da wir im Hauptbestandteil Roggenmehl verarbeiten, ist es nicht erforderlich den Teig lange zu kneten, sondern die Zutaten werden nur vermischt, daher arbeite ich auch hier nicht mit dem Knethaken, sondern mische die genannten Teigzutaten mit dem Blatt der Küchenmaschine ca. 3-4 Min auf kleiner Stufe gut durch.

Final lasse ich die Gewürzmischung mitlaufen, füge den Ingwerabrieb hinzu, sowie das Röstmalz. Bei Zimmertemperatur kann sich der Teig schön entfalten. Ca. 3-4 Stunden sollte man ihm gönnen, sich abgedeckt zu erholen und aufzugehen.

Den leicht batzigen (klebrigen, schweren) Teig vorsichtig rund wirken und mit dem Schuss nach unten in ein bemehltes Gärkörbchen oder geeignetes Gefäß geben.

Ca. 2-4 Stunden nochmals abgedeckt bei Zimmertemperatur stehen lassen. Der Teig geht schön auf und wenn er leicht angedrückt – elastisch zurückspringt ist er backreif.

Den Ofen mit dem Backstein auf 250 grad aufheizen und dann bei erreichter Hitze mit dem Brett einschießen.

250 ml Wasser in den Ofen schütten und 10 Min. auf 250 grad backen.

Dann die Ofentür öffnen , abschwaden und reduziert auf 210 grad , insgesamt 50 Minuten backen.

Klopfprobe: es klingt hohl – bei geöffneter Backofentür auf dem Stein abkühlen lassen und wenn wir das Brot anfassen können aus dem Ofen nehmen.

Es bedarf einer gewissen Beherrschung das duftende, gutaussehende Brot nicht anzuschneiden, aber es lohnt sich zu warten.

es duftet , das Warten hat sich gelohnt
duftendes Roggengewürzbrot – soo guuut !

Allen einen schönen, entspannten 4. Advent!

„Heringsalat – Tante Mulli“

Heringe waren zu meiner Kindheit eigentlich ein Arme-Leute-Essen.

Neben dem riesigen Zuber mit Salzfleisch stand auf dem großen Dachboden auch immer ein Eimer oder kleines Fäßchen mit Salzheringen.

Erfürchtig schlich im immer an den Heringen vorbei. Einen Hering – eingelegt – mit Schmand, Sahne, Äpfeln, bestem Essig durfte man erst dann essen, wenn man schon etwas älter war. Voraussetzung:

  • der Segen des hl. Blasius am 3.Februar

Blasius von Sebaste war der Überlieferung zufolge Bischof von Sebaste in Kleinasien und erlitt 316 das Martyrium. Der Heilige zählt zu den vierzehn Nothelfern. Die bekannteste Erzählung über Blasius berichtet, wie er während seiner Gefangenschaft in einem römischen Gefängnis einem jungen Mann, der an einer Fischgräte zu ersticken drohte, das Leben rettete. Deshalb erteilt die Kirche den Blasiussegen zum Schutz gegen Halskrankheiten. Darin kommt das gläubige Vertrauen auf die Heilszusage Gottes gerade auch für das leibliche Wohlergehen des erlösungsbedürftigen Menschen zum Ausdruck. (lt. Wikipedia)

  • weitere Voraussetzung war, dass man wußte, wie man dem Fisch zu Leibe rückte
  • man biß in die obere Rückenflosse, brach ihn praktisch auf, ertastete den Grätenstrang
  • nun konnte man ihn sauber herausziehen und den Hering genießen

Ganz wichtig war, dass die Heringe genug Milcher hatten. Beim Putzen der Heringe zeigte mein Vater mir die weichen, kleinen Stücke, welche ebenfalls in die Soße passiert wurden, bzw. den Kindern mit Pellkartoffeln zerdrückt gerne gereicht wurden. Sie seien ja so gesund! Aufgeregt verfolgte ich, was alles in so einem Hering drin war, mit einer gewissen Ehrfurcht, so richtig erklären konnte es mein Vater nicht, was da alles drin war, der Opa schon.Wie sooft erhielt er allerdings von den keifenden Damen Redeverbot . So musste ich wieder etwas warten, bis wir aufs Feld gingen und Großvater führte mich in die Begriffswelt des Laichen von Fischen, Vermehrung von Fischen ect. ausführlich ein.

Als Fischmilch oder -milcher, auch kurz Milch oder Melcher genannt, wird der Samen männlicher Fische, Weichtiere oder anderer im Wasser lebenden Arten bezeichnet. Diese Flüssigkeit wird während der Laichzeit auf den Rogen ausgeschieden, wodurch die Befruchtung erfolgt.[1][2]

Fischmilch wird frisch oder mit Salz konserviert als Lebensmittel verwendet. Sie wird zur Geschmacksgebung von Saucen genutzt oder bei Gerichten aus ganzen Fischen mitverwendet. (s. Wikipedia)

Die eingelegten Heringe mussten dann eine gewisse Zeit abgedeckt ruhen, bis man sie mit frischen, kleinen Pellkartoffeln essen konnte. Den Geschmack habe ich heute noch auf der Zunge, wenn es auch riesengroßer Anstrenung bedarf, diese Heringe zu bekommen.

Mehrmals im Jahr reiste Tante Wilhelmine (Mulli) aus Frankfurt-Sossenheim an, schaffte Ordnung, kochte göttlich und alle folgten ihrem Kommando.

Sie brachte das nachfolgende Rezept in die Familie und das Heringsgericht mit den Bismarkheringen gemacht, war schnell gemacht – ohne tagelanges wässern, einlegen, putzen… – nicht erforderlich. Wir Kinder mochten es und nannten das Gericht „Pink-Heringsalat“

Der Bismarckhering war im 19. Jahrhundert eine neue Möglichkeit, Fisch lange haltbar und trotzdem wohlschmeckend zu konservieren. Wesentlich ist auch das zu dieser Zeit entstehende Eisenbahnnetz, das es ermöglichte, von Nord- und Ostseeküste in Holzfässern der Haltbarkeit wegen sauer eingelegte Fische ins Binnenland zu transportieren. Ein weiterer Vorteil der Essigkonservierung ist, dass sich kleine Gräten auflösen, was den Verzehr vereinfacht. (lt. Wikipedia)

Rezept für Pink-Heringsalat

Zutaten:

500 gramm Bismarkheringe (oder auch Matjesfilets)

350 gramm gekochte rote Beete (gekocht im Schnellkochtopf mit Lorbeer, weissen Senfkörnern u. Meersalz)

2-3 säuerliche Äpfel (Elster oder auch Boskop)

1-2 ganz fein geschnittene rote Zwiebel

1 Bund Dill

40 ml süße Sahne

Gewürze: Meersalz aus der Mühle, schwarzen Pfeffer, frisch geriebenen Kren (Meerrettich), ein Spritzer scharfen Senf.

für die Marinade:

100 ml Schmand

100 ml Kefir

scharfer Senf

einen kräftigen Schuß Gurkenwasser

Apfelessig, einen halben Teelöffel Honig, Abrieb von der Zitrone, einen Eßlöffel Zitronensaft.

Zubereitung:

Schritt 1:

Rote Beete in mundgerechte Würfel schneiden, Zwiebel ganz fein schneiden, den Fisch in mundgerechte feine Stücke schneiden .

Äpfel entkernen und in feine, kleine Stücke schneiden. (schälen nicht nötig)

Schritt 2

Vinaigrette:

Mit einem Schneebesen die genannten Zutaten verrühren und gut abschmecken.

Dann über die geschnittenen Zutaten verteilen und gut durchmischen, fein geschnittenen, frischen Dill unterheben und gut durchziehen lassen.

Schritt 3:

Die süße Sahne zusammen mit dem frischgeriebenem Kren aufschlagen und die Tupfen auf dünn geschnittene Rote Beete Scheiben setzen. Dilldeko je nach Gusto

Die ideale Hauptspeise für schnelles Essen mit Pellkartoffel – oder Vorspeise – Nachtspeise nach dem süßen Weihnachtsgebäck – haltbar im Kühlschrank 3-4 Tage.

Herzhaft und soo guuut

„Panettone meets bayrische Stollen…“

(Werbung , da Namensnennung)

In der gedrosselten Zeit hatte ich wieder mal Lust mich mit Stollen bzw. Panettone zu beschäftigen. Es war dieses Jahr noch mühsamer alle Zutaten zu bekommen, denn die normale Supermarktware ist meist nicht geeignet, um diese arbeitsintensiven Köstlichkeiten herzustellen. Zitronat von der Amalfiküste aus den großen Zitronen, Haselnüsse aus dem Piemont…. , spezielle Rosinen, Mandeln aus Sizilien, Honig aus Niederbayern… . Die Liste läst sich beliebig fortsetzen.

Was ist nun der Unterschied zwischen Panettone und unseren hochgelobten Stollen?

Der Panettone enthält ebenfalls viele gerocknete Früchte, Nüsse, viel Butter und wird aufwendig auf Stäbe zum Durchziehen aufgehängt und ist längere Zeit haltbar.

Der Panettone wird mit Wasser (Flüssigkeit im Teig) angesetzt, die Deutschen Stollen lieben fette Milch. Im Netz gibt es unzählige Rezepte , Anleitungen. Ansich sind jedoch die Mengenverhältnisse stets gleich und die Variationen bestehen in den Füllungen.

Nachdem ich seit dem 1. Lockdown mich mit Hefewasser , Lievito Madre (LM) ausführlich auseinandergesetzt habe, beschloss ich meine Stollen und die Panettoni mit Lievito Madre zu backen. Ein gewagtes Projekt, wenn der Stollen nicht aufgeht und nicht genießbar ist, sind teure, mühselig beschaffte Zutaten vertan.

Voraussetzung ist allerdings der Lievito Madre ist tatsächlich aktiv und triebfähig.

So entwickelte ich mein spezielles Auffrischverfahren – natürlich im Verhältnis 2:1, d. h. 2 Teile Mehl bzw. LM + Mehl und 1 Teil Flüssigkeit.

Ein LM auf reiner Vollkornweizenbasis geführt, war mir zu säuerlich, zu fest. Außerdem bekam er mit Wasser nicht den gewünschten Trieb, den ich mir vorstellte.

Mit reinem 55oer Mehl, war er mir zu wenig auromatisch – war aber enorm triebstark. So beschloss die Mehlmenge aufzuteilen: 1 Teil Biovollkornweizenmehl, 1 Teil 550 er Weizenmehl + Anstellgut.

Außerdem ersetzte ich das lauwarme Wasser mit Hefewasser (Zimmertemperatur).

Das Ergebnis war überwältigend:

Für den Vorteig der Panettoni, nahm ich 60 gramm vom aufgefrischten LM.

200 gramm Weizenmehl Type 405, 100 gramm Wasser (handwarm), 70 gramm Butter, 50 gramm Rohrzucker, 2 Eidotter. Alles gab ich mehr oder weniger gleichzeitig in meine Küchenmaschine, mischte es durch und ließ auf Stufe 1-2 (Kennwood) den Teig 12 Minuten kneten. Anschließend kam der Teig in eine geölte Teigwanne und ich stellte ihn ca. 12-20 Stunden an einen warmen Ort.

Für den Vorteig der Stollen:

100 Gramm aufgefrischter LM

100 Gramm 550er Mehl

100 Gramm lauwarme Milch

Das Verfahren für die Herstellung des Vorteigs ist das gleiche wie oben beschrieben. Anschließend den Vorteig in eine Teigwanne legen, abdecken und 12-20 Stunden in warmer Umgebung sich selbst überlassen.

In der Zwischenzeit war ich beschäftigt mit Nüsse hacken, Trockenobst schnippeln, Mandeln abziehen, Rosinen in meinen Schnaps einlegen (s. Beitrag der Teufel hat den Schnaps…) Gewürze aufbereiten

(Zimt, Sternanis, Pigment, Nelke, Kardamon) gemahlen für die Stollen…..

Das Gelingen der Aktion war fraglich, denn viel tat sich beim Teig in den nächsten Stunden nicht.

Aber dann hatte sich der Teig nahezuverdoppelt, war großporig und duftete herrlich.

Mit den Rezepturen für die Hauptteige will ich niemanden langweilen

Stollen lechzen nach Butter

Der Unterschied ist hier entscheident die Mehlmenge

  • Panettone kommt mit 75 gramm Mehl , zzgl Butter und übrigen Zutaten aus
  • der fette Stollen will 4oo gramm Mehl, zzgl. Butter und ….
  • und wieder braucht der schwere Teig viel Zeit, bis er backfähig ist
  • ca. 12-18 Stunden, je nachdem. Der Teig nimmt es aber auch nicht übel , wenn er nicht auf die Minute ins Rohr kommt.

Hier kann jeder selbstgestalten, wie er den Stollen/den Panettone gestaltet. Wichtig ist viel Butter, Nüsse , Aromen aus Zitronat, Orangat – bester Güte- Der Stollen sollte noch warm kräftig mit flüssiger Butter bepinselt werden und anschließend vollständig mit Puderzucker ummantelt werden (die Unterseite nicht vergessen!)

Der Panettone sollte 24 Stunden hängend abkühlen. Die Anleitungen mit den Schaschlikspießen vergesst ganz schnell. Das hält nicht! Meine Stahlstangen vom Radischneider waren stabil genug und so wurden es viele kleine und große Panettoni. Bayern meets Italy !

Meine Stollen/Panettoni ruhen draußen gut eingepackt in der Blechkiste.

Eigentlich sollte man ihnen ja bis Weihnachten Ruhe gönnen. Widerstehen konnte ich nicht, einen Stollen schnitt ich mittig auf – Der Duft, der Geschmack – unbeschreiblich aromatisch –

Der Panettone mußte natürlich auch den Geschmacktest bestehen.

Der stolze Panettone

Tipp: Panettone ich Scheiben schneiden , mit Butterzucker bestreuen in der Pfanne leicht karamelisieren lassen, wenden leichte Bräunung, dann leicht zerbröckeln, in große Gläser füllen, Vanilleeis – Amaretto – Zimtsahne – fertig ist das Weihnachtsdessert.

Der Beitrag dient zur Sicherung der Familienrezepte .