"Meggies Weihnachtspute"

Überall im Netz hat sie sich breit gemacht „Meggies Weihnachtspute“ . Die eigenwillige Füllung, die kleinen
Anektoten der fetten Pute.

10 Jahre, wenn nicht schon länger pflege ich am 2. Weihnachtstag eine Pute für viele Leute zu kochen.
Schwerstarbeit ist angesagt, denn so eine Pute muß zwingend bei Niedrigtemperatur ( 80-140 grad) pro kg/1 Stunde im Ofen gepflegt, übergossen und final mit einem Gemisch aus Sojasoße und Honig eingepinselt werden.

Die fetten Schenkel drohen manchmal – trotz Niedrigtemperatur – zu verbrennen. Vorsichtig habe ich diese Schenkel und den vollen Busen mit hauchdünnen Speckscheiben belegt.

Ein riesiger Bauch galt es diesmal zu füllen.
Hier nochmal, wenn es jemand sich antun will das vollständige , verkürzte Rezept.

Zutaten:

1 Pute 9 kg

3 Karotten, 1 kräftiges Stück Sellerie, 4 Schalotten, 1 scharfe rote Chilischote
2 Teelöffel Steinsalz
3/4 L kochendes Wasser oder Geflügelbrühe

Füllung:
Zutaten
Trockenobst:je 100 gramm getrocknete Mangos, 100 gramm getrocknete Aprikosen, getrocknete Pflaumen, getrocknete Cranberries, 1 Teelöffel Zimt, schwarzer Kardamon aus der Kapsel befreien, 2-3 Peitschenpfeffer, Sternanis
Safranfäden, 150 gramm geröstete Dinkel-Walnuß-Brotwürfel (selbstgebacken vom Vortag) 100 ml heiße Milch, 1 Teelöffel
Kurkuma, Muskatblüte, Steinsalz, 2-3 Pimentkörner, 2-3 Nelken, 1 kräftiges Stück Ingwer frisch mit Schale

Brot: siehe Archiv Grundrezept (500 g Dinkelmehl , 200 gramm Dinkeldunst, 200 gramm Walnüsse, ca. 50 Buchweizenschrot
450 ml Wasser, 1 1/2 Teelöffel Steinsalz

Zubereitung: Trockenobst mit Wasser bedecken, aufkochen abseihen, die gerösteten Brotwürfel mit heißer Milch übergießen
und alles miteinandervermischen und zügig in die Pute stopfen, zubinden
Das Vieh auf ein Gemüsebett (Karotten, Sellerie, Schalotten setzen) Wasser oder Brühe angießen
Ofen auf 250 grad , ca. 10 Min. , dann mit Weisswein ablöschen und ca. 9 Stunden auf Niedrigtemperatur
garen ( zwischen 90 – 140 grad)
Final:
Sojasoße um einem Teelöffel Honig vermischen und die Brust hiermit gut einpinseln.
dann ein paar Minuten den Ofen auf Grill stellen und Bräunungsgrad überwachen.
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Pute auf eine Wärmeplatte setzen – ruhen lassen –
Es hat sich eine wunderbare Soße gebildet, die man eigentlich so entnehmen kann, bzw. kurz abschmecken kann.

Dann mit Blaukraut und gemischten Knödel (Kartoffel u. Semmelknödel) servieren. Die Füllung herausnehmen und als Beilage reichen.
Das ist Weihnachten der Extraklasse schwärmen die Freund u. Familie.

"Uff, Weihnachten vorbei "

Weihnachten ist vollbracht, die 9 kg Pute ist verspeist, die Knödel waren wunderbar, das Blaukraut mit Quitten war ein Traum, die Suppe mit Flußkrebsschwänzen eine Offenbarung, bei meiner winterlichen Mousse schmolzen die letzten – „Nein – nicht so viel – ….““ dahin.

Eigentlich habe ich vom 23.12-26.12.2014 gekocht, gekocht, gebacken, angerichtet, Tisch gedeckt und Berge von Geschirr
bewegt. Induktionsplatte, der Herd hatte keine Erholung.

Meine Tischdekorationen – eher schlicht – den die Männer mögen es nicht wenn so viel „Kram“ darumliegt, denn wo sollen den sonst die dampfenden Schüssel mit Knödel, Blaukraut die Riesenplatten mit Fleisch oder das Raclette hin.
Denn Weihnachten sitzen sie alle am Tisch und reden, reden, reden und warten auf die Vorspeise, den Hauptgang, die Nachspeise… das Schnapserl…

Dabei hatte ich dieses Jahr auf Weihnachten so gar keine Lust, kein Gefühl von Wärme, Sehnsucht nach roten Wangen, nach langem Spaziergang, keine Idee für Geschenke, die volle Stadt widerte mich regelrecht an.
Dieses künstliche „Liebe , Wärme “ erhaschen, einmal im Jahr… Die Hetze nach Geschenken, größer, wertvoller , mehr, mehr. Die „verkleideten“ illumnierten Innenstädte, keinen Tisch in einem halbweg passablen Lokal ist zu bekommen, wäre doch Weihnachten vorbei…

Da vergeht selbst der Weihnachtsfee persönlich die Lust an Weihnachten.
Am 23./24.12.2014 mußte sich mein lieber Gatte dem Kampf um das Messer stellen.
Denn einmal im Jahr verschenkt unser Lieblingsmetzger – wo die Riesenpute – vor Wochen bestellt -, das Filet, die Kalbsscheiben.. auf Ihre Abholung warteten, ein Messer, mal ein Taschenmesser, mal ein großes Messer, jedes Jahr
pilgern hunderte von Menschen an den zwei Tagen kurz vor Weihnachten, um ein paar Würstel, einen Leberkäs zu kaufen und das begehrte Weihnachtsgeschenk in Empfang zu nehmen. Dieses Jahr war ganz schlimm, einen Straßenzug , um die Ecke standen die Menschen in Zweiherreihen und warteten geduldig, bis sie dran waren.

Weihnachten findet da statt, wo sich Lachen, rote Wangen – ob vor Vorfreude – oder vom Kochstress miteinanderverbinden und der alljährliche Kampf mit dem Baum – immer wieder neu anders sich ergibt.
Zu lang, zu breit, nicht schön gewachsen – oh , je Heiligabend 13:15 Uhr, die Lichterkette funktioniert nicht mehr.
Wachskerzen – mein Kindheitstraum – zu gefährlich….
Kein Problem , es gibt ihn ja noch den Elektrohändler gleich ums Eck, viele treffen sich heute da, ein Birnchen fehlt,
eine Leselampe und zwei moderne , energiesparende Lichterketten gehen über die Ladentheke, es wird gelacht, gescherzt und „Frohe Weihnachten “ ruft man sich zu und verläßt fröhlich den Laden.
Ja und manchmal gibt es die zufälligen, leisen, gemütlichen Minuten oder gar 1/2 Stunde in meinem kleinen – großen – Bücherladen einen Steinwurf von meiner Wohnung entfernt.
Dort versank ich dann am Vormittag an Heiligabend in dem riesigen Biedermeiersofa, genoß den besten Capuccino des Viertels, schmökerte in Krimis, Kunstbänden, Neuerscheinungen, eleganter Prosa.. so ein Buch für Papa, ein Buch für Tochter und Sohn und eins für mich
eine nette CD mit bayrischen, witzigen Texten, frecher Musik für Inge.

Meine diesjährigen Rezepte will ich Euch nicht vorenthalten, sie folgen und sind eigentlich nur Ergänzungen, kleine Versuche Traditonen zu verändern, denn alle haben es sicher schon im Archiv gelesen, es gibt jedes Jahr das gleiche
Menü , dessen fester Bestandteil die fette Pute ist.

Bis später, gerade läuft meine „Spezialbrioche“ i. der Küchenmaschine, den Brotteig für die „Frühstücksbaguette“ (aus Roggen, Weizendunstgemisch mit frischem Roggenschrot)
geht schon an einem warmen Ort. Es ist 10:00 Uhr , meine Familie ruht in sich und ist sicher vor 12:00 Uhr nicht anzutreffen.

Allen wünsche ich einen entspannten, ruhigen , winterlichen Spätweihnachtstag mit Bratäpfeln, selbstgemachtem Glühwein
(Rezept s. Archiv) …
Schönen Sonntag !