"Die Brotzeit wird erwachsen "

Gerade schreibt jeder über, für, und sogar mit Kindern… Ein Redakteur der Süddeutschen schildert, wie wunderbar es doch ist, noch einmal Vater zu werden und sich so ein kleinwenig Jugend zu bewahren, unsere Familienministerin bereitet sich auf ihr „Mutterwerden“ vor….. Ja, es ist  gerade „IN“, sich mit 4 Kindern zu schmücken, ich finde: Gut sooo !!!

Manchmal  – aber nur manchmal – wollte man uns arbeitenden Müttern schon mal einreden —  „ihr seid Rabenmütter“ —–, „das Kind den ganzen Tag in fremde Hände geben“ …. , aber Gott sei Dank klingen die Töne gerade etwas anders! Nur die Mütter haben sich jetzt grad mal wieder anders orientiert – schade drum! -. Passend zum Thema „KinderKinder“ fällt mir da noch eine kleine nette Schubladengeschichte ein:

Hier meine Brotzeit-Kinder-Schublade, von der ich mich nicht trennen kann, und auch nicht trennen will.
surehaxe geräuchert 006

Meine Kinder gingen schon sehr früh in den Kindergarten bzw. in die Kinderkrippe. Besonders wichtig war immer die Brotzeit: sie sollte gesund und gleichzeitig ansprechend sein und sie sollte ein kleines Stück Zuhause zum mitnehmen sein, denn manchmal gab es diese herzzereißenden Szenen, man will lieber mit der Mama … bis dann 5 Minuten später die kleinen Spielkameraden doch wichtiger waren.
Aus Vollkornbrot habe ich Blumen ausgestochen, diese dann mit Käseblumen oder Salamiblumen belegt, auf kleine, bunte stumpfe Spieße habe ich dazu Cherrytomaten, Paprika, Gurkenstückchen gesteckt; kleine Gesichter auf die Brote gezaubert: natürlich immer mit einem lachenden Mund. Je nach Saison hab ich Osterhasenohren aus Karotten an die lustigen Brote gebastelt, und auch mal kleine Eisanbahnzügeüge gestapelt. Ich hab mir gern etwas einfallen lassen, und so gab es im Standardsortiment: Rosinenaugen auf gesunden kleinen Muffins, spätabends oder nachts gebacken. Tolle Tees – selbstverständlich damals schon ohne Zucker – dafür zubereitet mit selbstgezogener Minze aus der bäuerlichen Heimat. Später dann, in der Grundschule steckte ich liebevolle Aufmerksamkeiten in Form von kleinen Nachrichten in die Brotzeit-Box : „Du schaffst das“, „hab Dich ganz doll lieb, Mama“ , oder auch mal kleine Aufkleber mit dem gerade aktuell schwierigsten Buchstaben, oder einfach was zum Freuen: kleinen Holzmarienkäferchen – konnte man später aufkleben – und zum Geniessen: Selbstgebackene bunte Kekse oder gesunde Müsliriegel und natürlich immer immer ganz coole bunte Boxen, Trinkflaschen, – das Auge isst ja schon bei den Kleinen mit! Und selbstredend das Obst immer kindermundgerecht geschnippelt und vorbereitet…

Den ersten Tiefschlag bekam ich ganz unerwartet schon im Kindergarten.
Freudestrahlend kam mein Sohn nach Hause: „Du Mama, heute habe ich meine Brotzeit getauscht, der Manuel wollte auch mal die tollen Käseblumen und den dicken Finnenbrotbär essen und auch meinen Früchtetee fand er „voll cool!!! Soll ich mich jetzt über das Lob vom kleinen Manuel freuen, oder entäuscht sein, dass der Filius so mir-nix-dir-nix die liebevoll gestaltete Brotzeit einfach vertickt? Also sag ich einfach: „Hmm, ja, schön, und was hast Du dafür bekommen?“ Auf das, was jetzt kam war ich nicht vorbereitet: „Ich hab die beste Brotzeit seit ewigen Zeiten dafür bekommen“ sprachs und erklärt mir eifrig: „echtes Kindercola und ganz tolles weisses, weiches Brot mit ganz ganz dick Nutella drauf“- und als ob das noch nicht genug wär um eine hingebungsvolle Brotzeitdesignerin sprachlos zu machen: „Mama, das war viel, viel besser als Deine Gemüsespieße und die Vollkornblumen. Aber sei nicht traurig Mama: Morgen nehm ich dann noch viel mehr von Deiner Brotzeit mit den Gemüsesachen und so mit, weil die Lena, die hat nämlich immer Wackelpudding dabei , so grün, wie eine Giftschlange….“ Das hat wehgetan 😉

Etwas später dann waren meine Brotzeiten total out – peinlich und schrecklich: sie wurden vergessen und verschimmelten einfach in diversen Schulranzen, Taschen und Kinder-Rucksäcken.
Ich musste die Kinder-Brotzeit retten und brauchte eine neue zündende Idee: Also ging ich los und erstand tolle, edel gestylte Edelstahlbehälter für Tee. Und als Brotzeit gabs nun passend für die kleinen „Erwachsenen“: Diverse Sandwiches, raffiniert belegt, Baguettes mit tollem Käse und Salat, oder Seranoschinken, Salami mit Nuß, etwas Kresse dazu … Der Design-Tick hat funktioniert. Zunächst jedenfalls!
Es ging also wieder eine kleine Weile gut, bis … , die nächste Abfuhr kam dann schon nicht mehr so unvermittelt:
“ Du Mama, das ist ein wenig peinlich: Deine Brotzeit! Weißt scho, wir gehen doch mittags immer nach der Schule in die Stadt und da kommt es voll blöd, wenn ich meine Brotzeitbrote, Salate, Snacks, egal was… auspacke, das ist gar nicht mehr cool, die Anderen lachen mich schon aus“. Batsch, das sass!

Die Brotzeitbehältnisse kamen jetzt nur noch selten zum Einsatz, wie zum Beispiel beim Radlausflug, auf Reisen… oder jedweden Outdooraktivitäten mit der Familie. Und als die dann auch immer mehr bestreikt wurden – „ist nicht cool, Mamma!“ – da waren die schönen Dosen nur noch gut für Pferdeleckerlies, Hundekuchen und als Gänsefutter. Es war ein Jammer!!!!

Aber auch ich hab gelernt draus, und liess es fortan bleiben, den Herrschaften meine „Brotzeiten“ aufzudrängen.

Jahre vergingen ohne Brotzeiten oder ihre coolen Behälter. Beim Sohn rückte nun der Abiturtermin näher und näher, und der sonst soo coole Filius hatte am Vorabend des ersten Prüfungstages eine ungewöhnliche Bitte: „Mama kannst Du mir Tee machen – einfach Deinen schwarzen Tee mit Milch – und bitte: Ganz viele Brote mit Käse, oder gekochtem Schinken, Salami, Salat, einfach so viel Du machen kannst – die brauche ich die nächsten Tage! Ach Du, Mamma: Und es wär ganz gut, wenn ich so viel hätte, dass ich auch meinem Freund was abgeben könnte“, weißt Du Mama, dann schaff ich die Prüfungstage mit links“… Tschaka!!! Hab ich mir gedacht. Und dann noch: „So grossartig fühlt sich dann also ein Comeback an!!!“

Gestern habe ich auch wieder eine klassische Brotzeit für meine Tochter gemacht. Denn auch beim Schifahren ist es voll cool, wenn man einen Couscous-Salat dabei hat, für danach noch frische Muffins…, und für die Nachmittags-Jause ein leckeres selbstgebackenes Walnußbrot mit Bergkäse.
Wir liegen wieder voll im Trend! Die Brotzeiten und ich!
Wohl bekomms!

"Haushaltsschubladen, Erinnerungen, Stilleben"

Diese  Schubladen kennt jeder,  vollgestopft mit vielen nützlichen Dingen, Küchenhelfern,  Gemüseschneider, Apfelreibe,  Melonenausstecher, Gummiringe,  Spargelschäler, Kartoffelschäler….. endlose wäre die Liste fortzusetzen.
Den teuren Gemüseschäler von der berühmten Marke nehme ich nie, der billige Kartoffelschäler von der Auer Dult , den brauch ich.
Die Geflügelschere ist seit langem stumpf, aber irgendwie hänge ich an ihr. Mein Vater schenkte mir sie Ende der 80ziger…., damit ich endlich das Geflügel teilen konnte….Vater ist seid vielen Jahren verstorben, die Geflügelschere hab ich immer noch..

Dann diese Unart, die Korken hier aufzubewahren  -angeblich weil Kork wertvoll ist und man mal etwas Schönes draus machen will-  Diese  gewollte Unordnung zwischen Dosenöffner u. Korkenzieher hat was!!
Einen kleinen Blick in das Schubladenchaos will ich dem  Leser gönnen:Mango-Wok 001Mango-Wok 002

Auch in dieser Schublade befindet sich etwas einzigartiges… „Mein Kneipchen“
Eine Sonderstellung – Prädikat wertvoll – erhält mein „Kneipchen“. Was ist ein Kneipchen???
Ein Kneipchen ist in der Küche einfach unendbehrlich, ein Kneipchen darf man erst ab ca. 14 bedienen, wenn man sich bewährt hat. Ein Kneipchen hat seine Tücken, ist Helfer in der Not, kann Augen auskratzen, kommt in kleinste Zwischenräume, ersetzt oft einen Schraubenzieher…
Dieses geheimnisvolle Küchengerät hat Geschichte.
Als ganz kleines Mädchen, saß ich auf dem Schoß meines Großvaters und er schälte Äpfel, schnitt hauchdünne Scheiben mit dem Kneipchen. Der Apfel schmeckte zu erst etwas nach Eisen, aber dann schob ich genüßlich einen Apfelschnitz nach dem anderen in den Mund.

Die Geschichten meines Großvaters waren immer irre spannend, sie handelten von den großen Denkern, wie er sie nannte, den einen Satz weiß ich noch ganz genau:““Wenn du zum Weibe gehst, vergiß die Peitsche nicht!“ So hat es Nietzsche geschrieben , erklärte mir mein Großvater. Kind, aber vor solchen Männer nimm Dich in Acht, laß Dich nie unterdrücken und auf keinem Fall von einem Mann, denn die Männer sind manchmal nicht gescheit…., aber Frauen schon. Er konnte die Philosophen und ihr Denken so anschaulich erzählen.
Auch grausame Kriegsgeschichten aus dem 1. Weltkrieg, ich schloß manchmal die Augen und schluckte die Tränen unter. Nicht doch, komm nimm noch einen Schnitz.
Ach und Kartoffeln müssen wir auch noch schälen und mit dem Kneipchen stechen wir denen die Augen aus..“

Bis heute habe ich ein Kneipchen. Es will immer die „Hauptperson“ in der Schublade sein, wie man deutlich sehen kann. Mango-Wok 003Mango-Wok 006

"After Valentinstag"

Mein Valentinsmenü hatte bei den „Küchengöttern“ gewonnen….. , obwohl ich es -ehrlich – nicht angestrebt hatte.
Dies nahm ich zum Anlaß mich doch einwenig näher mit der Materie zu beschäftigen. Warum  ist es an diesem Tag so wichtig,  was man ißt, trinkt……

Die Menschen wollen  schnell, gut, alles perfekt organisieren essen und lieben und haben dennoch diese alte Sehnsucht: „Liebe geht durch den Magen“
Doch das  war gestern. Heute heißt das Zauperwort „Quickie-Food“,  „(S)experten-Dinner“,  „Kamasutra-Menü“, heißen die Valentinsmenüs
Wo  ordne wir uns ein ?? Das „Kamasutra-Menü“ – für Interlektuelle die „Quicki-Food“ für die durchorganisierten, zielorientierten Mittdreißiger mit Bindungshemmung ?, die „(S)experten-Dinner“ für die ganz Abgeklärten, Spezialisten…
Für mich geht Liebe durch den Magen, ehrlich, sinnlich ….
Nächstes Jahr, beflügelt, einwenig Luxus, Austern, Champagner …
Liebe geht durch den Magen!

"Der Herd , Dein Freund u. Gefährte "

Gestern war so ein Sonntag, grau in grau. Die Süddeutsche ausgiebig gelesen, noch ein Tee… Alle Pflichttelefonate erledigt. Keiner hat Lust, Zeit mit mir bei dem Wetter vor die Türe zu gehen. Irgendwann schaffe ich mir einen Hund an, denn der geht sicher immer mit.  Das Kochen an diesem Sonntag – na ja – das Leib-und Seelengericht meiner männlichen Familienmitglieder.
Nach meinen vegetarischen Ausflügen bestanden die Herren darauf.
Mein Vorschlag einen schönen Fischeintopf mit  Lachs, Kabeljau …. mit selbstgemachten Baguette – abgelehnt. Fisch hatten wir erst. So muß ich meine neue Baguetteform (Treppchenform) später vorstellen.
Von diesen Fleischpflanzerl können meine Lieben nie genug bekommen.  Von 1 kg Hackfleisch habe ich zwei große Pfannen …. für heute, für die Brotzeit und für zwischendurch.

Mein treuer Herd, der noch gar nicht so alt ist und von besonderer Güte wie mein techn. versierter Ehemann mir seiner Zeit bestätigte, brauchte eine neue Backofenbeleuchtung,  ein Schalter  mußte ersetzt werden… , nach Wochen des Improvisierens erbarmte sich ein guter Freund der Familie, besorgte die Glühbirnen und tauschte den Schalter aus.
Beim Kauf des Herdes hatte man mir davon abgeraten einen selbstreinigenden Herd zu wählen – wie ich ihn 18 Jahre lang hatte- Heute ist das doch kein Problem mehr, so gut sind die Herde zu reinigen. Einfach eine Tasse Wasser mit  ein paar Tropfen Spülmittel und der Herd ist stets wie neu, mit dem Reinigungsprogramm geht das ganz von selbst, fachsimpelte der Küchenverkäufer…..

Doch nicht berücksichtigt hatte dieser Mensch, dass in diesem Herd unzählige Enten, Puten, Kuchen, Brote, Pizzen, Braten, Aufläufe…. ständig in Arbeit sind. Die Teleskopauszüge hatten meinen alten Backwagen ersetzt, denn  der nimmt ja soviel Platz weg und in diesem Herd kann man auch ganz große Vögel braten…..

Der Zustand meines freuen Freundes  war , wie ich gestern feststellen mußte besorgniserregend,fest  eingebrannt so einiges, die tollen Teleskopauszüge hatten ihre  ursprüngliche Farbe gänzlich verloren, rußig schwarz waren sie , unter dem Grill war alles…. , die Seitenteile  alles braun… Da wollte ich nichts mehr drin backen.

Zuerst muß mal die Gebrauchsanweisung her,  denn die Tür kann man aushängen und die Teleskopauszüge herausnehmen, den Grill absenken… Perfekt mit Schwamm,  allen verfügbaren  Putzmitteln rückte ich dem  Dreck zu Leibe.

Es half nichts. Irgendwo fand ich ein Backofenspray – soll man nicht nehmen , wegen…. – was ist schädlicher dieser angebrannte … Sorgfältig sprühte ich alles ein, die Teleskopauszüge legte ich  in das Spülbecken auch sie bekamen eine Ladung  ab. Mit dem Schaber für das Ceranfeld schabte ich das Eingebrannte ab.

Mittlerweile war eine Stunde vergangen, die Familie erholte sich bei einem guten Buch,  am PC, beim Fernsehen… meine Wenigkeit schrubbte, schrubbte..  Es sah schon viel besser aus. Die Backofentüre wieder einhängen, wie geht das noch???
Uff, geschafft. So jetzt nochmal das Reinigungsprogramm mit Spülmittel , dann mit kochendem Essigwasser auswaschen, die Teleskopstangen nochmal in die Spülmaschine – mit dem Spezialprogramm – , dauert 15o Min.
Eine Runde Entspannung auch für  mich  – denn ich muß ja noch meine  Kichererbsensuppe ins Netz stellen –
Die Teleskopauszüge haben ihre ursprüngliche Farbe zurückerhalten, aber das Material ist meines Erachtens billiges Metall, was sich nicht gut reinigen läßt –  Werden Herde von Köchen getestet ??,  Haushaltsware ist auf kurzlebig kalkuliert – sagt mein Mann – Was ist kurzlebig, ca. 8 Jahre ist mein treuer Gefährte alt, reif für den Müll ??

Der Herd erstrahlt in neuem Glanz. Dann kam es zu Tage, ja die Pizza hatte man bei 270 grad vergessen, war eingeschlafen… so, so,  die Lasagne war übergelaufen, sofort hatte man es weggewischt.., der Kuchen war so aufgegangen, er sprang förmlich aus der Form und hinterließ diese unansehnliche eingebrannte Stelle….. Das wird in Zukunft nie mehr passieren, sonst……!!!!!!!!!
Toll sieht der Herd aus!“ Mama da kann ich ja gerade meine Schokoladentarte reinschieben……“
Keine 5 Minuten gönnten sie meinem treuen Freund,  da mußte er wieder backen,  braten…..
Heute gehe ich später arbeiten,  das Ceranfeld habe ich eingelassen,  er strahlt und hat gerade gesummt “ Bis heute Abend ruhe ich mich einwenig aus“, wenn du kommst bin ich wieder fit“

 

"Kälberstrick – Fleisches -Un – Lust"

Axel  will leben……

Wie meine Leser sicher schon bemerkt haben werden,  hat meine Kochleidenschaft  meist einen intensiven Bezug zum Produkt .
Viele kleine – meist wahre Begebenheiten – begleiten meine Vorlieben  und Abneigungen bis heute.
Die Landwirtschaft meiner Großeltern ernährte eine 9 köpfige Familie gut und ausgewogen.
Allerdings,  gab es ganz, ganz selten Kalbfleisch und  Kaninchen nie !!!

Mit dem Kalbfleisch ist das so eine Sache, mein Großvater mochte es gar nicht  und ich auch nicht.
Es war Anfang der 60iger Jahre. Wir hatten 3 Kühe, Schimmel, Bella und die alte Fuchs. Sie gaben Milch und die Kälber verkauften sich gut an den örtlichen Metzger. Die Kühe zogen den Wagen, wurden bei der Feldarbeit in dem schwierigen Gelände eingesetzt und wurden mit viel Liebe und Aufmerksamkeit gehegt und gepflegt. Abgöttich liebte ich meine Kühe, sie gehorchten mir und bei ihnen war es immer warm. Oft verzog ich mich in den Stall um zu Lesen. Stundenlang konnte ich auf einem Strohballen lesen, träumen ….. Alle suchten mich,  im Stall vermutete mich niemand, wo es doch nach Meinung meiner Schwester stank, die Mücken fliegen .“Geh,  sagte sie immer , Du stinkst nach Stall“.

Eine Familenfeier oder Beerdigung, ehrlich gesagt genau weiß ich es nicht mehr, zwang die gesamte  Familie nach Frankfurt zu reisen. Wer sollte das Vieh versorgen ??  Das „weiße Biest“ so nannten sie mich,  kann doch mit dem Großvater zu Hause bleiben, dann können sie uns auch nicht wieder blamieren… so tönte es beim vorgezogenen Mittagessen.

Mein Großvater warf mir einen kurzen Blick zu und ich erklärte mich bereit mich zu „opfern“ und auf die Reise in die Großstadt zu verzichten.  Großvater hatte sich seinen alten Freund bestellt – böse Zungen behaupteten er käme aus der Fremdenlegion –  das mußte was ganz Schlimmes sein – so wie meine Großmutter immer tobte, wenn  Großvaters Freund auftauchte.

Dieser Mann hatte die ganze Welt bereist und wollte meinen Großvater immer überreden auf „Große Wanderschaft“ zu gehen , endlich die Welt zu sehen, das große Geld zu machen und nicht  in dem kargen Landstrich zu versauern.

Großvater beauftragte mich, nach der Schimmel zu schauen, denn das Kälbchen war schon überfällig.
Die Herren sprachen heftig dem Spezialschnaps  meines Großvaters zu.

Stolz begab ich mich in den Stall. Die Kälberstricke kramte ich schon mal aus der Kiste, wobei ich eigentlich  nicht wußte, wo für man sie tatsächlich gebrauchte. Den Kessel mit heißem Wasser setzte ich  auf, so hatte ich es bei der Großmutter immer gesehen, wenn  ein Kalb kam. Normalerweise hieß es wieder: Kinder aus dem Haus….

Großvater hatte mir erklärt, wann der Geburtsvorgang soweit fortgeschritten war und ich ihn rufen sollte. Schimmel ging es nicht gut, sie schwitzte und brüllte ganz schrecklich. Mit trockenem Heu und Stroh versuchte ich ihr nassgeschwitztes Fell zu trocknen.Brachte ihr  Wasser, redete ihr gut zu und dankbar leckte sie mein Gesicht ab, bevor sie wieder schreckliche Töne von sich gab.  Großvater hatte mir eingebläut, wenn der Schleimpfropfen sich löst, dann kannst Du mich rufen,  dann ist der Muttermund weit genug offen, dann geht es meist  schnell voran.
Wie befohlen beoachtete ich die Kuh und da hob sie den Schwanz und ich sah  eine schleimigen Pfropfen ….
Wie um mein Leben rannte ich zum Haus.
Großvater verabschiedete sich von seinem Freund ganz schnell. Den  können wir nicht bei der Geburt gebrauchen.

Großvater fluchte,  die Geburt war so weit vorangeschritten, dass er keine Hilfe mehr holen konnte und vom Tierarzt hielt er eh nicht so viel . Ganz dramatisch sage er zu mir: „Kleines Mädchen Du mußt jetzt ganz stark sein, es geht um Leben und Tod“.
Er war ein sehr gläubiger Mensch, benetzte mich, die Kuh und sich mit dem Weihwasser, das im Stall immer stand und los gings. Leise und beruhigend redete ich auf  Schimmel ein, während mein Großvater die Kälberstricke an den Läufen des Kälbchens zu befestigen versuchte. Mehrfach mißlang es, denn auch der Schnaps konnte seine Wirkung nicht verleugnen.
Irgendwann hatte Großvater es geschafft.  „Komm, ich gebe das Kommando auf 3 ziehst Du so fest Du kannst!!!“ Großvater schrie  1 unnnnd 2 und 3, jetzt. Das Blut stieg mir in den Kopf, meine Hände waren von dem Strick rot und bald mit Blasen gefüllt, den Schmerz bemerkte ich aber erst Stunden später.

Endlose Versuche,  erschöpft machten wir uns gegenseitig Mut. Großvater sagte, wir geben nicht auf. Wir verlieren sonst die Kuh und das Kalb. Die Angst schnürte mir den Hals zu. Dann schloß ich die Augen, zog, zog , schrie aus Leibskräften.
Ein riesiger Schlag,  mein Großvater und ich lagen im Stall in der Urinrinne, zwischen uns ein kleines nasses, braun-weißes Etwas, mit riesigen Augen, ganz nass, lockig und wunderschön.
Wir lagen  im Blut und Urin, umarmten uns und lachten und weinten gleichzeitig.
Es ist ein Bullenkalb – war nicht sooo  beliebt – seuzte mein Großvater, wie willst Du ihn nennen?
Axel, flüsterte ich, Axel, Axel soll er heißen.

Gut, dann ist sein Name Axel. Aber Axel wollte nicht aufstehen, Großvater schaute ernst .
In dem Moment  kam die Sippe von Frankfurt zurück, beschmipften meinen heißgeliebten Großvater mit allem was ihr euch vorstellen könnt. Wie kannst Du…. , das Kind damit überfordern, der Tierarzt muss  kommen die Nachgeburt – ….
Was Nachgeburt ,  die Schimmel kann nicht mehr…., was war denn eine Nachgeburt??

Großvater sagte nur zu mir, kümmere Dich um das Kalb, wenn es bis morgen nicht aufsteht, können wir den Abdecker bestellen. Schweigend  verließ er den Stall und überließ das Feld den Tierarzt, Nachbarn, mein Vater….

Axel legten sie in einen kleinen Verschlag mit Heu und Stroh. Keiner dachte so richtig, dass das Kalb überleben würde.
Mich hatten sie vor Aufregung vergessen. Ich streichelte das Kälbchen, meine Tränen rannen in sein Fell.
Irgendwann schlief ich völlig erschöpft ein.  Im Halbschlaf hatte ich wahrgenommen, wie mein Großvater mich  zugedeckt hatte. Morgens erwachte ich, eine rauhe Zunge fuhr mir durchs Gesicht. Axel stand über mir und war ganz munter.  Trinken wollte er nicht. In den nächsten Wochen zog ich ihn mit der Flasche auf und er gedieh prächtig.

Solche Jungbullen wachsen enorm schnell und unser kleiner Stall war nicht geeignet für die Haltung der Jungbullen, Großvater erklärte mir, dass man sie trennen muß….

Immer quälte mich der Gedanke, dass eines Tages der schrecklich  fette, schweißtriefende Metzger mit dem  roten Auto auftauchen würde….  Großvater versuchte mich auf den Tag X vorzubereiten. Er hielt mir Vorträge über Nutztiere, Kreislauf des Lebens…. 
Eines Tages bestellten sie den Metzger, während ich in der Schule war. Aus irgendeinem besonderen Grund, war mir übel und ich lief ganz alleine die 3 km Schulweg nach Hause. Von weitem sah ich das rote Auto des Metzgers. Nein, dass ist nicht wahr !! Großvater nahm mich auf den Arm, versuchte mich zu beruhigen. Seit 2 Stunden versuchten sie Axel aus dem Stall zu bekommen, vergeblich. Großvater versprach mit Gott und die Welt, wenn ich Axel auf den Viehwagen führen würde. Der Metzger lachte und sagte, noch jeden Bullen habe ich auf meinen Wagen bekommen – bis Du nicht willig , so brauch ich Gewalt –
Bevor sie Axel noch mehr aufregten,  ihm jede Würde nahmen, ließ er sich von einem 9 jährigen kleinen Mädchen aus dem Stall führen….. Kalbfleisch – mag ich bis heute nicht – warum das kann man doch verstehen  – oder – .

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erdbeeren, Kirschen im Februar

Jetzt sind sie schon wieder da, diese Erdbeeren, Kirschen im Februar. Wunderschön dargeboten, jeder ist geneigt, sich ein Körbchen mitzunehmen.

Für mich ist es sehr, sehr wichtig, dass  mein Essen grundsätzlich an der jeweiligen Jahreszeit sich orientiert.
Im Februar gibt es nunmal in Deutschland keine Erdbeeren  und Kirschen zu ernten.

Schon jetzt freue ich mich auf die Erdbeer-Spargelzeit.  Das Aroma von selbstgepflückten Erdbeeren, das Auto riecht noch  einen Tag später nach Erdbeeren, Erdbeeren. Die bayrischen Erdbeerplantagen werde ich bereisen und Marmelade, Chutney, Kuchen , einfach essen mit Schlagsahne oder grünem Pfeffer

Zeitgleich ist dann der Spargel da….. weißer Spargel, dick und prall,  grüner aromatisch , glatt elegant –  Risotto – Spargel pur mit selbstgemacher Basilikum-Hollandaise zu Fisch, Bratwurst, Filet…
Alles kann man hier frisch vom Feld erwerben, mit einer Fahrradtour verbinden.
Erdbeeren im Februar – haben Sie schon mal  das Aroma getestet ? – , die brauche  ich auf keinen Fall.
Mal ehrlich,  die Vorfreude ist doch die schönste Freude !!

"Was ich noch sagen wollte……"

Kochkurse Kochkurse Kochkurse Kochkurse

Kochkurse sind voll im Trend. Bei meiner Küchengötter-Community wurde kürzlich ein Männerkochkurs veranstaltet. Die Männer waren unter sich – ob ein Mann auch das Aufräumen und Spülen übernahm, ist leider nicht bekannt – .
Die Kommentierung war der:“ Kurs verlief so harmonisch , warum nur ?„

Die Männer „kochten“ Koteletts und pellten Kartoffeln…. Ganz stolz präsentierten sie sich mit Schürze, bei der Arbeit.
Sie emanzipieren  sich auf ihre Weise. Sicher hätten Frauen nicht panierte Koteletts… gekocht.Basiskochkurse…., Soßenkochkurs, Fischkochkurs, Wok-kochkurs… .Die Teilnehmer sind oft Männer,  sie halten sich für besonders kreativ und überhaupt die besten Köche, sind doch eh Männer. Männer brauchen 5 Beiköche,  5 Spüler und alle verfügbaren Töpfe, Pfannen im Schrank. Seltener wird nach dem Kochen das Schlachtfeld beseitigt, denn dann kommt die althergebrachte Küchenhilfe zum Einsatz…

Ausnahmen bestätigen die Regel!!.  Aber betrachten wir es mal von der positiven Seite, Männer kochen für ihre Frauen, Kinder, Geliebte, aber nie jeden Tag , immer mit großem Aufwand und Inzenierung.

Klappern gehört zum Handwerk, Männer wissen sich in Szene zu setzen, sich zu verkaufen, sich zu vernetzen.

Meine Idee für alle Veranstalter von Kochkursen wäre ein Paarkochkurs z. b. demnächst am Valentinstag, bestimmt eine willkommenes Geschenk für ein gemeinsames Erlebnis. z. B. unter dem Motto “ Luxus macht sinnlich“, mit Kräutern, die erotisierend wirken, Schoko für Glückshormone, belebende Mixturen, potenzfördernd, zum Dahinschmelzen…

Männerkochkurs – das war gestern – wir wissen doch was Männer lieben.



was ich noch sagen wollte

10.000 Rezepte, Kochbücher, Kochshow, Kochduell

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich irgendwo gelesen, dass alle Köche/innen eine Eigenart haben, die man mit Neid beschreibt. Jeder beansprucht für sich das beste Rezept für die knusprige Ente, die beste Kürbissuppe , die Zutaten sind ?privat?.

Ständig stehen alle im Wettbewerb und können nicht davon ablassen, sich ständig zu messen.
Die Kochsendungen sind fester Bestandteil des täglichen Fernsehprogramms.
Jeder Koch hütet seine Geheimnisse, trotz Kochshow, Kochbücher, unzähligen Kochkursen, gelingt es den Menschen nicht dieses oder jenes Gericht nachzukochen.

Warum ?? Kochen sieht doch so einfach aus, die Foodfotografie tut ihr übriges dazu. Die Menschen sammeln Rezepte, sehnen sich nach schön gedeckten Tischen, Kochgemeinschaften, Essen mit Freunden. Die Regale sind vollgestopft mit Kochliteratur von A-Z.
Aber eines tun sie nicht K o c h e n . Es reicht den Menschen anderen beim Köcheln über die Schulter zu schauen und beim Italiener um die Ecke die Pizza zu erstehen, die bunten Tiefkühlpackungen aufzureißen, um sie vor dem Fernseher zu genießen.

Kochen ist nämlich harte, körperliche Arbeit! langes Stehen, schwere Pfannen und Töpfe müssen bewegt werden, scharfe Messer lassen unsere Finger bluten, Stress und fettverspritzte Küchen müssen mühsam geputzt werden.
Der Kampf am Herd wurde oft beschrieben, verfilmt und erlebt.

Was ist es, dass die Hobbyköche niemals ruhen läßt?? Ist es der Beifall der Essenden, die Anerkennung der/des Liebsten?

Kochen beginnt beim Einkaufen und weckt in uns den Sammler- und Jagdtrieb.
Auf Märkten stöbern, beim Metzger das gewünschte Fleisch/Knochen/Brät ergattern, Vorräte anlegen, Angeln gehen, Pilze sammeln, Beeren pflücken…
Die Sehnsucht nach unseren Urfähigkeiten bricht gerade in einer Zeit aus, wo man alles
?fertig? kaufen kann und ohne langes Kochen, schnell servieren kann.
Selbst den Cocktail für den Aperetif kann man in der Dose bestellen und braucht ihn nur noch in ein dekoratives Glas füllen. Die perfekte Nahrungsversorgung: Kochkurse, Rezeptesammeln, Kochshows nähren unsere Seele und erhalten uns die Träume vom guten Essen und Trinken.

Die Lebensmittelindustrie mit all ihren Möglichkeiten (Tiefkühlkost, Fastfoodketten, Pizza to go, Asiaten halten nette kleine Pappschachteln bereit … ernähren uns schnell und unkompliziert.
Heute braucht niemand zu kochen!
Der Tisch ist immer schnell gedeckt, aber mit Stil bitte!Herbstmenü 001Erdbeerchutney 003

Guten Appetit

Was ich noch sagen wollte….

Sicher wird der Leser bei manchem Rezept das Foto vermissen. Ab und zu finde ich die Fotos nett und passend. Wir sollten uns aber nicht durch die moderne Foodfotografie unter Druck setzen lassen nach dem Motto „Kochen nach Bildern“. Oft werden wir dann bitter enttäuscht, weil beim 4 Sterne Koch sah das aber viel besser aus. Doch das Foto sagt nichts über den Geschmack aus, Fotos die riechen, duften gibt es noch nicht. Daher liebe normale Köche und Köchinnen, Rezepte können immer nur Anhaltspunkte sein und sollten interpretiert, verfeinert… werden. Diese Hochglanzfoto verderben oft, wie zu viele Köche den „Brei“.
Sollten Sie eine ganz genaue Beschreibung bzw. Unterstützung benötigen, gerne stehe ich mit Rat u. Tat zur Verfügung.