„Atemlos – ärmellos…“

Ja, der November ist da! Er gibt uns einen Vorgeschmack auf düstere Tage, Dunkenlheit und weckt gleichzeitig Aktivitäten , welche man erst wieder lieben und leben lernen muss.

Aber letztes Wochenend da war es nochmal S o m m e r

Radeln, in der Sonne Frühstücken und einfach Draußen sein.

Für den Großstadtmenschen in München ist es immer mehr zu einer Herausforderung geworden, sich antizyklisch zu verhalten, um so die wunderschöne Bergwelt und Alpenvorlandgebiete aufzusuchen.

Längst stehen gefühlt ALLE früh auf und der Stau beginnt schon auf den Ausfahrtsstraßen.

Mein persönliches Rezpet: Gar nicht dran stören. Einfach aufstehen, frühstücken oder nicht . Selbstverständlich stehen die festen Schuhe, mein obligatorisches Ingwerwasser bereit- wenn wir dann losfahren.

Nur so wird der Ausflug entspannt. Siehe da, ohne weitere Schwierigkeiten verlassen wir gegen 11.OO Uhr die Stadt und da , wo keine Hütte lockt, wo keine vermeintlichen Highlights im Internet versprochen werden da ist es entspannend, ruhig, klare Luft und kein Sessellift bringt mich hoch.

Ärmellos , schnellen Schrittes zog uns der Berg an. Über Stock und Stein, durch den Mischwald, die Sonne meinte es soo gut.

Der kleine Wasserfall unter mir plätschert vor sich hin.

„kleiner Wasserfall..“

Nur nach oben schauen , nicht zurück und seitlich nach unten – der Weg ist das Ziel…

Ärmellos- atemlos kommen wir voran, über die Skipiste – die in wenigen Wochen, wenn Gott will – ihren Betrieb aufnimmt.

Dann rasten auf der hohen Lichtung, den Kopf in die Sonne halten, die Seele baumeln lassen. Nur wenige Wanderer und junge, durchtrainierte Radfahrer grüßen freundlich

Der Weg wird wieder gemütlicher – und leichtfüßig , hüpfend – ärmellos – atemlos – genießen wir den Tag.

Die Zeit verrinnt

Abstiegsaussicht

nach 3 Stunden sind wir wieder unten. Gutgelaunt, die müden Glieder bewegt, die Gleichgewichtssinne sensibilisiert und hungrig. Das ist das negative Thema. Alle brauchbaren Lokalitäten sind überfüllt – kein Parkplatz – vollbesetzt. Auch gut !

Dann fahren wir in die Stadt – wieder antizyklisch – der große Rückstrom hat gegen 16.OO Uhr noch nicht eingesetzt.

Meine Balkonpaprika lachen mich an und so entsteht ein wunderbares schnelles Abendessen:

Zutaten:

1-2 rote kleine frisch gepflückte Paprikaschoten

1 kleiner , frischer Spitzkohl

1 Schalotte

1 nussgroßes Stück Ingwer

Kümmel

Zitronenabrieb

12o ml Ingwerwasser

Salz, Pfeffer aus der Mühle

1 kleine Chilischote v Balkon

Zubereitung:

Spitzkohl in feine Streifen schneiden

Paprika ebenfalls in dünne , feine Streifen schneiden

Wokpfanne aufsetzen

mit neutralem Öl befüllen

Gemüse reingeben und kräftig mit Salz würzen

ständiges Bewegen führt schnell zum Erfolg

mit einem kräftigen Schuß „Ingwerwasser“ ablöschen,

leichte Kümmelnote setzen und auf kleiner Flamme , nicht zu weich garen.

Pfannenspitzkohl

Dazu gab es schnelle geteilte Hühnerbrüste . Paniert mit selbstgeriebenen Semmelbrösel – angerichtet mit Sauerrahm u Preiselbeeren …

Ein Foto kam nicht mehr zustande ! Der Hunger war zu groß.

„Fernweh das man Schmecken kann…“

Liebe Freundinnen hatten mir zum Geburtstag einen kreolischen Kochkurs geschenkt.Ja Kreolisch,  das war gem. der Beschreibung  mal etwas ganz anderes.Riesig freute ich mich auf dieses Kochevent, welches am Freitag , den 13.Januar 2017 im  renomierten Haus für Essen -Trinken – Backen-  Kochen -seit 1798 in München- , direkt am Viktualienmarkt – stattfinden sollte.

 

Pünktlich traf ich ein und fand gleich „Gleichgesinnte“ . Traumküchen, Traumhandwerkszeug – Traummesser –  Töpfe, Pfannen – eine wunderbare Athmosphäre empfing mich an diesem kalten,  dunklen Januarabend.

Perfekte Organisation , mit einem gutgekühlten Prosecco wurden wir begrüßt, obwohl gem. Kochkursbeschreibung eigentlich ein Bourbon – Vanille – Punsch  kredenzt werden sollte. Nach der Beschreibung :“Fernweh, das man schmecken kann: Wenn der exotische Duft von Massalé in die Nase steigt, sich das betörende Aroma der echten Bourbon-Vanilleschote entfaltet und wir mit dem knusprigen Fleur de Sel kochen. Zum selbst gemixten Vanillepunsch gibt es Geschichten  über die einzigartige Küche dieser tropischen Insel – ein wildes Stück Frankreich mitten im Indischen Ozean….“

Diese  großen , dicken Vanillschoten dufteten wunderbar… Den Sonnenuntergang  am indischen Ozean, mit einem herrlichen Drink aus dem köstlichen Rum von der die weitgereiste Köchin schwärmte… ja, so kann das Wochenende  beginnen.

Schnell überflog ich die ausliegenden Rezepte,  keine Problem. Entspannt probierte ich den herrlichen Riesling  – Hausmarke K – .

Der überengagierte Bayer übernahm in seiner  Kochgruppe ( 16 Personen , 4er Gruppen) das  Zepter. “ Thunfisch-Samoussas“ – Teigtaschen , gefüllt mit angenehm scharfer Thunfischpaste , verfeinert mit Koreander und Minze  (Teigtaschen mit Fertigblätterteig, gefüllt mit Dosen-Thunfisch, Limette , Minze, Koreander, Kurkuma)

Mein Lernfaktor: Falttechnik für diese Teigtaschen – Super läuft nichts aus!

Er leitete an deligierte und verbrannte ein Blech. Soweit so gut…

Ganz gelassen  lehnte ich mich zurück – meine Gleichgesinnten – stimmten mir zu. Wir waren für die Suppe zu ständig.

„Limetten-Kokos-Suppe mit Garnelen “  (Kartoffeln, Kurkuma, Limetten, Kokosmilch -Supermarkt, Fischfond aus dem Glas, wenig Koriander, Garnelen?, Krabben)

Mir wurde gleich klar, die bereitgestellten  Zutaten, reichten niemals  für eine Suppe für 16 Personen, wenn man sie nicht in Esspressotäschen servieren wollte.  Wir improvisierten.  Wasser drauf – kein Geschmack – Der bayrische Kochprofi: “ die Suppe schmeckt langweilig… “  Wir konnten uns das  Lachen nicht verkneifen. Wir würzten,  unsere Kochkursleiterin riet zu Salz. Kartoffeln – Süßkartoffeln nicht  mehr vorhanden. Auf meinen Vorschlag nahmen wir dann zwei Bananen um  eine etwas sämiger Konsistenz zu erreichen.img_2730

Hauptgang:

Massale´-Hähnchen.. „feinste Hähnchenbrustwürfel in einer betörend aromatischen …., daszu Basmatireis und rotes Linsencurry..

auch  hier fehlte die fachliche Leitung,  letztlich rettete ein Teilnehmer das Hauptgericht.

Das rote Linsencurry  – ließ – die aromatischen Höhepunkte schier vermissen.

Nachspeise:

Süßkartoffelkuchen mit Bourbon-Vanille – betörender, duftender, himmlisch schmeckender Kuchen, verfeinert mit fruchtigem Rum

Auch hier mußte die Gruppe improvsieren,  der Rum – wunderbar – aber die vorhandene  Flasche bot nicht die notwendige  Menge –

sättigend war die Nachspeise auf jeden Fall.

Beim gemütlichen Beisammensein,   erkannte ich,  dass es eigentlich  gar nicht wirklich um das Kochenlernen  hier ging. Andere Interessen standen erkennbar im Vordergrund.

Wie sagt man in München „oiwei“ geht woas..“

Betörend war der wirklich sehr gute rote Hauswein,  des Hauses K.

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Völlig entspannt, mit einem tiefsinnigen Lächeln  auf den Lippen stieg ich gegen 22.OO Uhr in meinen Stadtbus ein. Kochen gelernt hatte ich zwar nicht allzuviel. Der Abend war wunderbar – unterhaltend – lies Tiefe Einblicke in den Querschnitt der heutigen Gesellschaft zu  –  und nachts träumte ich von herrlichen Cocktails… und schönen  tanzenden Menschen am Palmenstrand. Für wenige Stunden war ich dem Winter entflohen.

Danke, Claudia, Ina u. Marion.

 

 

 

 

 

 

 

 

„Meggies Muckerl“

Ende der Achtziger gab es in der Bäckerei um die Ecke, Riemische, Pfennigmuckerl und natürlich Semme, herrlich  resche Brezn und die Leute standen Schlange…

Wehe man konnte das Gebäck, welches man haben wollte nicht exakt „Ansagen“

„Semmel ho ma nett , moan se semme…“

Nur noch äußerst selten kann man heute Pfennigmuckerl , Maurer oder Riemische kaufen.

Wenn früher ein Maurer zur Arbeit gegangen ist, dann hat er zwei Maurerlaiberl
gekauft und zwei Regensburger, das war eine Brotzeit, die auch einen Handwerker
satt gemacht hat.

Maurerlaiberl und Schusterbuam deuten auf Vorlieben der Handwerker hin.
Pfenningmuckerl sind so klein, dass sie früher tatsächlich nur einen Pfennig gekostet
haben. Es werden immer 4 oder 5 in einer Stange gebacken. So hat man „uma a
fünferl“ fünf Semmel bekommen.
Doch woher stammt der Name „Riemische“, oft fälschlicherweise als „Römersemmel“
angeboten? Mit den Römern haben diese Roggensemmel garantiert nichts zu tun.
Es gibt zwei Versionen woher der Name stammen könnte. Erstens: es handelt sich
um einen bestimmten Ausmahlungsgrad des Roggenmehls. Zweitens: man hat
Roggen- und Weizenmehlsäcke gut ausgeschüttelt und aus diesem „Gemisch“, die
Riemischen, die Laiberl und Muckerl gebacken.

Meine speziellen Muckerl  entstanden eigentlich aus einer Art Übergare und sind aus reinem Roggenmehl auf Sauerteigbasis.

Seit 4 Monaten ist es mir gelungen einen sehr guten triebfähigen Sauerteig zu erhalten. Dieser bildet die eigentliche Basis für das wunderbare Brot, welches im wahrsten Sinn des Wortes weggeht „wie geschnitten Brot“.

Z u t a t e n:

50 gramm Sauerteigansatz Roggen 1150

Tag 1: 100 gramm Roggenmehl 1150 , 100 ml lauwarmes Wasser

Tag 2: 100 gramm Roggenmehl 1150, 100 ml lauwarmes Wasser

Tag 3:200 gramm Roggenmehl 1150, 200 ml lauwarmes Wasser

800 gramm Roggenmehl 1150

2 1/2  Eßlöffel Gerstenmalz

2 Eßlöffel Salz

100-120 gramm Roggenschrot

2 Eßlöffel Brotgewürz (Fenchelsamen, Kümmel , Koreander)

“ die Brotbackarie „

  • Dienstagsmorgen setze ich den Sauerteig mit 100 gramm u. lauwarmen Wasser an
  • verrühre ihn gut, decke ihn mit Klarsichtfolie ab und stelle die Schüssel  in das Zimmer welches am wärmsten ist.
  • diesen Vorgang wiederhole ich 3 Tage
  • und der Teig wirft Blasen , riecht nach frischen Äpfeln, leicht säuerlich
  • am Donnerstagabend fülle ich 50 gramm des Sauerteigs ab und fülle ihn in ein Schraubglas – welches ich nicht ganz zuschraube – sondern den Deckel nur drauflege und so in den Kühlschrank befördere
  • auf den restlichen Sauerteig gebe ich dann 800 gramm Roggenmehl und lasse den Teig 3-4 Stunden einfach an einem warmen Platz stehen
  • der Sauerteig ist gierig, bald zeigen sich Risse in der Mehlmasse
  • nun gebe ich Gerstenmalz, Brotgewürz hinzu
  • spanne den Kessel in die Küchenmaschine und gieße   die Hälfte des Wassers an
  • dann gebe ich das Roggenschrot hinzu und lasse die Maschine alles gutdurchmischen
  • je nachdem gebe ich noch etwas lauwarmes Wasser oder 1 – 2 Eßlöffel Mehl hinzu
  • es sollte ein zäher schwerer Teig entstehen, dem ich zum  Schluß das Salz hinzufüge
  • dann 2-4 Stunden in der Gärstufe des Backofens gehen lassen.
  • das Volumen sollte sich verdoppelt haben
  • nun knete ich  den Teig auf der bemehlten Fläche nochmal durch
  • ggfs. noch Mehl hinzufügen.
  • das Gärkörbchen lege ich mit einem Küchentuch oder Mullwindel aus,  stäube etwas Mehl hinein und lasse das Körbchen über Nacht am offenen Küchenfenster stehen und gehen
  • gegen 6.OO Uhr springt der Teig aus dem Körbchen
  • die Teigreste nehme ich weg und forme hieraus
  • Meggie’s Muckerl
  • bestreiche sie mit lauwarmem Wasser und streue etwas Kümmel über die Muckerl
  • den Backstein lege ich in den Backofen , mit einer Schüssel Wasser
  • nun heize ich den Herd auf die höchste Stufe – b. 275 grad auf
  • während ich  meine Morgentoilette verrichte
  • super,  die Muckerl haben nochmal einen kleinen „Triebschub“ bekommen und das Brot lechzt nach dem Ofen
  • jetzt stürze ich das Brot auf den Backstein, die 4 Muckerl platziere ich außen herum
  • nach 15 Min.  dämpfe ich ab,  d. h. ich öffne die Ofentür und schütte dann eine Tasse Wasser in den Ofen und reduziere die Temperatur auf 220 grad
  • die Muckerl sind nach ca. 20 Min. gut und sind herrlich knusprig!
  • ein Muckerl zum Frühstück und man ist satt bis mittags.

Es lohnt sich wirklich diesen Aufwand zu betreiben, das Brot ist ein Traum.

Diese Woche werde ich etwas Teig abnehmen und kleine Pfennigmuckerl formen und aneinander backen.

P.S.  falls der verwendete Sauerteigansatz noch nicht richtig triebfähig ist,  empfiehlt es sich  ca. 1/2 Päckchen frische Hefe hinzuzugeben.

Soweit die Gärzeit verlängert wird reicht auch weniger.

Eigentlich benötigt dieses Brot und seine Muckerl nur Zeit und einwenig Zuneigung.