„Liebe geht durch den Magen…“

(Fortsetzung)

Manfred öffnete die Tür und eine tiefempfundende Freude, spiegelte sich in dem verschlafenen, unrasierten Männergesicht wieder.

„Greta, womit habe ich das verdient?“ Wie das duftet! Komm rein, ich mache uns mit der Bialetti einen guten Cappuccino!“

Die Vögel stimmten ein Konzert an, die Blumen reckten ihre Köpfe und die Wildbienen versammelten sich auf dem blühenden Lavendel. Es war ein traumhafter Sommermorgen in dem noch nicht richtig erwachten Schwabing.

Manfred strahlte, er konnte sein Morgenglück noch nicht so richtig fassen.

Seine Tage waren meist arbeitsintensiv und bestanden aus Uni und seinem Werkstudentenjob in der Zentrale eines großen Versicherungskonzerns.

Hier waren schon sein Vater und Großvater erfolgreich tätig gewesen und es gab für ihn keine andere Option – auch er würde nach der Promotion dort seine Karriere beginnen.

In der wenigen Freizeit beschäftigte er sich mit seiner geliebten Aquarellmalerei – die er leider seit Monaten vernachlässigen musste.

Er sorgte für leise, klassische Musik und goß den starken Kaffee in die Tassen, schäumte die Milch auf. Ein intensiver Duft nach italienischem Espresso erfühlte die Wohnug und die silberne, kleine Zuckerdose – stellte er zu seinem Entsetzen fest – war angelaufen, der kleine Löffel war an den Enden schon arg geschwärzt.

Aber Greta störte das offentsichtlich nicht. Was hatte ihr Vater gemeint? Die Blumen, die Karte?

Gretas Vater war ein sehr sensibler Mensch. Er löste ihre Probleme meist, bevor sie sich ausgesprochen hatte.

Diese fast kalte Reaktion gestern verstand sie nicht.

Geschickt lenkte Greta das Gespräch auf die verstorbene Berta . Manfred hatte Berta sehr geliebt , noch heute vermisste er es mit ihr zu reden, den besten Guglhupf auf Erden mit ihr zu essen. Andererseits lief es ihm eiskalt den Rücken runter, wenn Berta von den grausamen Geschichten ihrer, wie sie es ausdrückte -Herrschaft- erzählte.

Greta faßte sich ein Herz und bat Manfred mit ihr in den Keller zu gehen. Es ließ ihr keine ruhige Minute mehr, seitdem er erwähnt hatte, dass es da unterirdische Gänge und zugemauerte Türen gäbe.

Wieso hatte man bei der Renovierung des Hauses nach dem Krieg alles so belassen? Gab es Gründe dafür?

Manfred schien wenig begeistert für die Kelleraktion, willigte aber ein am nächsten Sonntag sich Zeit zu nehmen. Er allein besaß diesen alten, großen eisernen Schlüssel. Berta hatte ihn ihm anvertraut mit den Worten: „Irgendwann könnte er wichtig für dich sein!“

Lange hatte er sich schon in Greta verliebt ! Es schmerzte ihn regelrecht, dass er bislang keine Gelegenheit hatte ihr seine tiefe Zuneigung zu offenbaren.

Greta hatte keine Augen für ihn, hatte er sich immer wieder eingeredet. Eine schmähende Zurückweisung wollte er nicht erleben. Auch von den tollen Blumen – die er persönlich, stundenlang zusammengepflückt , in seinem Lieblingsblumenladen mit duftenden Sommerrosen binden lassen hatte, war gar keine Rede.

Geschweige denn von seiner Karte! Diese Blautöne hatten ihm fast den Verstandet gekostet.

Am Grillabend hatte sie von ihrem Traummann, dem braungelockten, sportlichen jungen Mann geschwärmt. Die Blumenaktion war sein letzter Versuch, so hatte er es sich geschworen.

Hastig verabschiedete sich Greta mit den Worten: „Also bis Sonntamorgen und für heute Abend mach ich für euch alle meine italienischen Lieblingsnudeln!“

Greta war sich mittlerweile sicher, dass Manfred ihr etwas verschwieg.

Der Tag war mit anstrengenden Terminen in der Uni vollgestopft und ein Gespräch mit ihrem Doktorvater stand gegen 17.OO Uhr auch noch an.

Sie überprüfte ihre Vorräte und hetzte mit dem Fahrrad zu ihrem Lieblingsitaliener, denn nur er hatte die echte Salsiccia, mit Fenchel und picant gewürzt. Er stellte sie selbst her nach einem uralten Rezept seiner Vorfahren aus Kalabrien.

Auf keinen Fall, konnte sie mit der WG heute essen, sie musste ihre Hausarbeit morgen abgeben…

  • schnell setzte sie Nudelwasser in dem großen Topf auf
  • und ließ die großen Conchiglioni giganti hineingleiten, 2 kräftige Prisen Meersalz, 1 getrocknete Peperoncini
  • setzte die Pfanne auf, gab 2 Eßlöffel Olivenöl, klein gehackte rote, kleine Tropea Zwiebeln, Knoblauch, ein kleines Stück von ihrer ersten Chilischote vom Balkon hinzu und schwitzte alles farblos an.
  • gekonnte drückte sie die Salsiccia aus dem Darm und gab die Wurstmasse ebenfalls in die Pfanne
  • leicht mit dem Kochlöffel verteilen und einwenig bräunen lassen
  • mit einem Weisswein löschte sie das Salsicciaragout ab und lies es ca. 6-8 Minuten auf kleiner Flamme köcheln
  • ein Stück Fenchel schnitt sich dünn auf
  • ergänzte die Pfanne mit frischen Kräutern (Oregano, Rosmarin, Zitronenthymian u. einem Blättchen Salbei)
  • ein Glück, dass dies alles auf ihrem klitzekleinen Altbaubalkon so schön wucherte.
  • gab alles in die Pfanne und ließ es auf kleiner Flamme vor sich hinköcheln
  • final fügte sie eine Dosen gestückelte Tomaten hinzu
  • würzte kräftig mit schwarzem Pfeffer aus der Mühle , Salz einem Teelöffel Paprika-Auberginenmus ab
  • fertig!
  • sicherheitshalber legte sie Peccorino und Parmesan raus
  • das war genug für die Freunde
  • und morgen konnten sie die Nudeln nochmal überbacken, die großen Muscheln hatten sich automatisch gefüllt
  • so klingelte sie und übergab das Abendessen der verduzten Tessa, die die Pfanne dankbar entgegennahm
Salsiccia Nudeln

und laut und glücklich rief:

„Jungs der Abend ist gerettet, keine Tiefkühlpizza heute!“

Danke, Greta – Greta war schon weg.