„Der Pandemie entronnen mit verbrecherischer Kunst..“


(Werbung , da Namensnennung)

(Quellennachweis : Katalog Kunst&Kapital-Verbrechen Veit Stoß, Tilman Riemenschneider und der Münnerstädter Altar, Herausgegeben von Frank Matthias Kammel)

Ostersamstag, die Sonne scheint – doch es ist empfindlich abgekühlt, Handschuhe, Mütze sind angebracht. Die Inzidenz für München-Stadt liegt bei knapp +/- 100. Ab Sonntag sollen wieder alle Museen…. schließen. Der Inzidenzwert sei drei Tage über 100….

Meine kunstsachverständige Tochter hat Einlaßberechtigungen im bayrischen Nationalmuseum gebucht.

Aber vorher wollen wir „Frühstücken , wie in Rom“, d. h. Barista Cappuccino, Cornetto gefüllt mit Pistaziencreme – to go – versteht sich.

Aber ein sonniges Plätzschen zu finden ist nicht einfach! Den Cappuccino trinken wir aus dem Pappbecher während wir zur U- Bahn-Station laufen.

Vor der Feldherrnhalle finden wir auf dem menschenleeren Odeonsplatz ein Plätzchen in der Sonne.

Mir fließt die Pistaziencreme zwischen den Fingern hindurch auf meine Jacke. Typisch!

Schnell erreichen wir das Museum mit der Museumslinie. Viel Personal kontrolliert uns – dabei scheinen wir die einzigen Besucher um 10.15 Uhr zu sein.

Gespannt sind wir schon, was uns erwartet. So leer habe ich noch nie ein Münchner Museum gesehen. Wir schreiten ehrfürchtig den Treppenaufgang hinauf.

Die Sonderausstellung trägt den Titel “ Kunst&Kapital-Verbrechen“ und hebt die besondere Würdigung der Kunst hervor, wo doch derso begnadete Künstler ein „Schwerverbrecher“war.

Veit Stoß hatte sich 1503 der Urkundenfälschung schuldig gemacht. Er hatte ein Kapitalverbrechen begangen, eine besonders schwere Verfehlung , die, wie der vom lateinischen capitalis entlehnte Begriff besagt, den Kopf kostete.

Nach der Aufrichtung des Werkes von T. Riemenschneider in der Kirche von Münnerstadt war es nicht zu einer Farbfassung gekommen. Fast eine Generation lang stand es holzsichtig vor den Augen seiner Betrachter.

Erst 1504 erhielten die Figuren und Reliefs eine farbige Oberfläche und die bis dahin leeren Außenseiten der Flügel eine Bemalung mit figurreichen Szenen aus der Legende des Frankenapostels Kilian. Diesen Auftrag vergab man an Veit Stoß. Für ihn, den namhaften Bildhauer Nürnbergs, war es eine Gelegenheitsarbeit.

Er schaffte es schließlich sich vollständig von seinem Verbrechen zu befreien.

Tatsächlich kennt die Geschichte zahlreiche straffällige Meister, darunter auch allererste Namen, die ohne mächtigen Schutzherrn verloren gewesen werden.

Der florentinische Goldschmied und Bildhauer Benvenuto Cellini hatte während der Sedisvakanz dort Pompeo de Capianeis, seinen Konkurrenten um das Amt des päpstlichen Münzmeisters, getötet, war jedoch bald darauf vom neuen Pontifex Paul II. dafür nicht nur bestraft, sondern sogar in die gewünschte Stellung befördert worden.

Der Schöpfer des als Saliera berühmten Salzfasses im Wiener Kunsthistorischen Museum und der monumentalen Figur des Perseus in der Loggia dei Lanzi in Florenz galt als gewalttätig, beging nach eigener Aussage drei Morde, war mehrfach wegen Sodomie angeklagt worden und verbrachte, des Edelsteindiebstahls aus dem päpstlichen Schatz beschuldigt, zwei Jahre in Untersuchungshaft in der Engelsburg.

Paul III. habe trotz allem, schreibt Cellini in seiner Autobiografie, einer Reihe von Anklägern und Beschwerdeführern geantwortet: „Nehmt also zur Kenntnis, dass Männer wie Benvenuto, die ihrem Beruf einzigartig sind, nicht dem Gesetz unterworfen sein müssen“ (Kammel 2020)

Ist dies nicht irgendwie bis heute geblieben, nur mit anderen Vorzeichen?

Die Ausstellung war sowohl von der Darstellung, als auch von der Aufarbeitung der Thematik – Kunst &Kapital-Verbrechen- für mich eine besondere Bereicherung dieses begrenzten kulturellen Lebens in dieser Zeit.

Der Aussteller führt den Besucher in einen großen – sehr gut ausgeleuchteten Raum – mit einem angrenzenden kleinen Raum, der die virtuelle Rekonstruktion des Münnerstädter Altars darstellt, aber auch den Zeitstrahl des Lebens des Künstlers . Sehr gut läßt sich an dieser zeitlichen Darstellung nachvollziehen, wie lange Veit Stoß für seine Rehabilition kämpfen, hoffen und warten mußte , bis er die im Mittelalter bedeutenden Bürgerrechte wieder erlangte.

Der von Frank Matthias Kammel herausgegebene Katalog ist sehr zu empfehlen, denn er arbeitet sowohl die kunsthistorischen Hintergründe sehr . Die Abbildungen und Darstellungen sind wunderbar wiedergegeben.

Das Rechtswesen wird – die Art und Weise der Vollstreckung-wird mit den verschiedenen „Folterinstrumenten“ ausführlich dargestellt.

Die Art der geführten Prozesse und das Strafrecht in seiner konkreten Anwendung sind uns heute unvorstellbar.

Gemütlich schlenderten wir durch das Museum – fast keine Besucher – . Bis wir nach mehr als 3 Stunden nicht mehr aufnahmefähig waren und wir unter der Last der „Maske“ litten.

Die geplanten Einkäufe vertagten wir, zu groß waren die Menschenschlangen unter den bereits wieder angedrohten Schließungen.

Wir genossen noch eine kleine Runde durch den englischen Garten , kommt mit:

Schöne Woche, bis bald

M Kuhl

2 Gedanken zu „„Der Pandemie entronnen mit verbrecherischer Kunst..“

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