„Bärlauch, frisch, jung vom alten Gottesacker…“

Aprikosen/Bärlauch

Was für eine schöne, strahlende Wärme empfing mich an jenem Tag vor Ostern.

Es roch überall nach Frühling. Ich konnte den Knospen beim Aufspringen zusehen.

Meine alte „Bergziege“ (f. Neuleser =Fahrrad) hatte ich aus dem Keller gezerrt, aufgepumpt und schon war sie bereit für die Schandtaten, die ich so mit ihr vorhatte.

Schnell wurde mir das Radeln stadtnah vergällt. Riesige Lastenfahrräder – elektrobetrieben , versteht sich, steuerten mir unkontrolliert entgegen, beladen mit dem genervten Nachwuchs.

Familien durchfuhren dunkle Unterführungen zu viert nebeneinander – ohne Licht –

Den Rennradler packt die unbandige Wut und Ungeduld, elegant, schnell, sicher zicht er durch die Mitte. Seinen Atem konnte ich spüren. Die Isarauen waren coronawidrig bevölkert, dass man die steigende Inzidenz körperlich spüren konnte.

Ich flüchtete in den Südfriedhof.

Der Alte Südfriedhof – auch bekannt unter dem Namen Alter Südlicher Friedhof – in München wurde 1563 als Pestfriedhof „ferterer Freithof“ (= äußerer Friedhof) vor den Toren der Stadt auf Veranlassung von Herzog Albrecht V. angelegt. Er liegt einige hundert Meter südlich des Sendlinger Tors zwischen Thalkirchner Straße im Westen und Pestalozzistraße im Osten, bei einer maximalen Breite von 180 Metern. Nördliche und südliche Begrenzung sind Stephansplatz und Kapuzinerstraße, eine Distanz von 720 Metern. Die Flächenausdehnung beträgt knapp zehn Hektar. Er war von 1788 bis 1868, also 80 Jahre lang, die einzige und allgemeine Begräbnisstätte für die Toten aus dem gesamten Stadtgebiet, weshalb hier die Gräber einer ganzen Reihe prominenter Münchner zu finden sind. (s. Wikipedia)

Hier hatten meine Kinder das Laufen, Fahrradfahren und später das Lesen, Rechnen gelernt.

Die Aufgabe war, auszurechnen wie alt der Verstorbene war, anhand der Grabsteindaten.

Die Namen zu entziffern. Stolz stellten sie dann immer fest, welche Berühmtheiten hier beerdigt waren. Später missbrauchte ich den halbdunklen Friedhof für einen Gruselkindergeburtstag, von dem mein Sohn noch heute spricht.

Hier wollte ich mich einwenig niederlassen und die Sonne genießen….

Soweit meine Augen sehen konnten – überall spross der frische, grüne, junge Bärlauch zwischen den Grabstätten. So begann ich den Bärlauch zu ernten. Er roch so intensiv, dass jegliche Verwechslung ausgeschlossen werden konnte.

.“… immer nur soviel ernten, wie Du verarbeiten kannst , so lautete mein Credo

den kleinen Leinenbeutel in meiner Satteltasche hatte ich schnell gefüllt.

Auf dem Rückweg schwirrten mir die verschiedenen Kochideen durch den Kopf.

Arabisch gewürztes Lammragout mit getrockneten Aprikosen und Bärlauch

oder diese Bohnenpaste die ich bei einem meiner Lieblingsblogs gelesen hatte

https://lieberlecker.wordpress.com/

Die nervigen Radlfahrer/innen konnten mich nicht mehr …. , ich gab meiner Bergziege die Sporen und der laue, milde Wind streichelte sanft mein Lächeln.

Mein Gö-Ga hatte tagelang den Kühlschrank mühsam mit diversen Köstlichkeiten gefüllt. Ein herrliches Stück Lammrücken hatte ich bereits mit Olivenöl, Knoblauch, Zitrone, Thymian mariniert.

Getrocknete Aprikosen bester Güte – eigentlich zum Füttern meines Hefewasser gedacht –

Dazu das allseits beliebte Pfannenbrot, guten Wein, der Abend war gerettet.

So entstand mein wunderbares

„Lamm meets Bärlauch“

Zutaten:

500 gramm Lammrücken

150 gramm getrocknete Aprikosen

125 ml Lammfond

1 Pfefferschote, bzw. rote scharfe Schote

1 mittlere rote Zwiebel

100 gramm Bärlauch

Abrieb einer Zitrone

1 Eßlöffel Butterschmalz

Creme fraiche

1 Dose Tomaten (entweder Cherry-Tomaten oder gestückelt)

Gewürze: schwarzer Pfeffer aus der Mühle, Meersalz, Ras el-Hanout, gemahlenen Kreuzkümmel, dezent ein paar Chiliflocken.

Zubereitung:

  • das Fleisch klein schneiden
  • das Butterschmalz in den Schmortopf geben und heiß werden lassen
  • die Fleischstücke schnell anbraten, sie sollten etwas Farbe bekommen
  • dann mit dem Lammfond oder Gemüsefond kurz ablöschen
  • köcheln lassen
  • die rote Zwiebel, rote Schote in eine anderen Pfanne glasig dünsten und hinzufügen
  • abgedeckt ca. 25 Minuten schmoren auf mittlerer Temperatur
  • dann die getrockneten Aprikosen, den Bärlauch, die Gewürze zufügen
  • die Tomaten angießen und nochmal ca.25 Minuten leise köcheln lassen
  • final mit Creme fraiche , schwarzem Pfeffer, Salz abschmecken
  • mit Pfannenbrot, Couscous , Reis servieren

Schnell einfach – die orientalischen Gewürze verbinden sich – der Bärlauch gibt sein bestes.

Zum Aperetivo frisches Brot mit der Bohnencreme.

Das Rezept habe ich einwenig schlichter interpretiert:

  • weiße Bohnen im Schnellkochtopf weich gekocht (Dauer ca. 40 Min.)
  • püriert, Olivenöl, Saft einer Limone, Meersalz, Kreuzkümmel, Bockshornklee, Chili und eine handvoll kleingehackten Bärlauch
  • einen trockenen Weisswein

so kann der entspannte Abend beginnen.

Mein wunderbares Lammragout konnte ich leider nicht fotografieren, das Pfannenbrot kennt ihr ja schon – auch nicht.

Heimkommen, Essen, Reden…. Lachen und das Fotografieren … wollen die Herrschaften nicht.

Aber, wenn Ihr die Muße habt es nachzukochen, würde ich mich über ein Foto sehr freuen.

2 Gedanken zu „„Bärlauch, frisch, jung vom alten Gottesacker…“

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