„Der Murmeltiertrieb“


(Werbung, da Namensnennung sichtbar)

Die posierlichen Tierchen sind bekannt dafür, dass sie mit Wenig den Winter überleben können und sich einen Vorrat im Herbst anlegen, der sie über den Winter ernährt.

Photo by Russell Combs on Pexels.com

Habe ich diesen Trieb – ist er gar krankhaft ausgebildet ? –

Immer wenn es kalt, trüb und die Tage kurz sind, bricht er aus.

Erstmal habe ich meinem Gö-Gatte eine Liste geschrieben, die wie folgt lautete:

Metzger:

2,5 kg Schweinebraten

1 kg Hackfleisch (halb Rind, halb Schwein)

1,5 kg Rindfleisch zum Kochen (konkret: Tafelspitz v. Rind Das entsprechende Fleisch gehört zum auslaufenden Schwanzstück des Wiederkäuers und grenzt an den Hüftdeckel oder Tafelspitz an)

1 kg Markknochen

1/2 Seite vom geräucherten Wammerl (feiner, durchwachsener Bauspeck)

Gemüsehändler – türkischer Händler

5 rote Beete

1 Babyspitzkohl

1 kg rote, 1 kg weiße Zwiebel

1 kg Karotten

1 mittelgroßer Sellerie

1 kg Pastinaken

Lauch, Rosenkohl, Petersilie, Koreander, Feldsalat, Spitzpaprika

3 kg Äpfel

Leicht schräg hat er geschaut, nahm die Liste und war 2 Stunden verschwunden.

Ehrlich ist schon einwenig viel – für 2 Personen , selbst wenn die siebenköpfigen Raupen – sich anmelden:

„Ich habe Hunger, ich sterbe, brauch etwas Warmes“….

Minus 9 grad zeigt das Thermometer an! Locktown pur wurde vom bayrischen Ministerpräsidenten verordnet. Mein kurzer Supermarktbesuch endet dramatisch. Mit rumlungernden Verschwörungspöbel habe ich mir fast eine Schlägerei geleistet. Keine Masken, keine Einkaufskörbe oder Wagen werden genutzt. ….

„Corona , interessiert uns nicht, ist doch nur eine Grippe….“

Das Supermarktpersonal schreitet nicht ein.

Zurück zu meinem Leiden. Nachdem die Vorräte aufgefüllt sind, setzt die tiefverwurzelte Kochsucht ein! Bolognese, Tafesspitz, Schweinebraten, Spitzkohlrouladen, Marktklößchen stehen auf dem Plan. Hartgemüse schnippeln, Fleisch parieren, Zutaten , Gewürze bereitstellen…

Meine Sauerteige – oh je die haben sich ja verdreifacht – raus aus dem Backofen – Sonntagssemmelteig, Roggenbrotteig – ansetzen. Meine Küchenmaschine protestiert schon – hilft nichts – soll sich nicht so anstellen – sie war schließlich erst im August zur Kur bzw. Reparatur.

Mit einem nicht zu bremsenden Elan stürze ich mich an die Töpfe. Hier kann ich mich jetzt voll uns ganz meiner Sucht widmen. Ein wunderbares Gefühl, wohlige, Wärme, die Geschmacksnerven sen­si­bi­li­sie­ren sich. Die Bolognese simmert leise vor sich hin, der Tafelspitz will den Eiweißschaum abgenommen haben, der Schweinebraten schreit nach seinem dunklen Bier – draußen wird es langsam dunkel – es beginnt zu schneien – . Der Prosecco hat geduldig im Schnee gewartet.

Perlend grüßt er mich . Jetzt noch eine schöne Musik, den Roman weiterlesen –

„Mensch mach mal alles auf – die ganze Wohnung riecht nach Essen…“ Meinem GöGa werden sich diese wohltuenden Düfte nie erschließen!

Die Gefrierschubladen sind nun gut gefüllt – ich kann wieder etwas streunen gehen in der herrlichen, schneebedeckten Natur und mir überlegen – bis der nächste Suchtanfall kommt- was ich kochen, backen, ausprobieren könnte.

9 Gedanken zu „„Der Murmeltiertrieb“

  1. Auch wenn es bei uns im Norden Deutschlands weit und breit keine Murmeltiere gibt, ist auch mir der „Murmeltiertrieb“ wohlbekannt. Daher habe ich Deinen Eintrag dazu mit viel Freude gelesen und ich konnte die Gerüche dazu hier (ca. 900 Kilometer entfernt) ein bisschen „nachschnuppern“. Danke fürs „Erzählen“ + Nordseegrüße, Margot

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  2. Also, ma ganz kurz….Fleisch kaufe ich nur im viertel-,halbem- oder ganzem Tier beim Bauern:-)) Das ist auch ganz einfach. Bauern lieben Bestellungen. Für das Futter kann der Kunde auch eine kleine Vorzahlung leisten:-)) Wer Rohstoffe und Essen liebt, ich rede von …wirklich liebt…und sich Gedanken über die komplette Verarbeitung macht, sollte diesen Schritt gehen. Zur Not kann man sich mit Freunden die Investition teilen:-))
    Der Bauer hat das Geld verdient, nicht der Händler und schon gar nicht der „Strecker“:-))!

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    1. Grundsätzlich stimme ich Dir zu. In der Stadt ist es für die Menschen nicht so einfach, gerade während der Pandemie, Deine Einkaufs- u. Verwertungsstrategie durchzusetzen. Viele sind auch nicht in der Lage das Fleisch wirklich zu verarbeiten.
      Das Fleisch im „Kollektiv“ zu verwerten ist ebenfalls nicht so einfach.
      Kleine Schritte sind da gefragt! Viele kennen außer Filet nichts und kochen auch nur begrenzt. Dennoch denke ich, dass sich da vieles in Zukunft zum Besseren ändern wird.
      Daher stelle ich auch hin- und wieder Rezepte ein, die zum Braten, Kochen animieren und das Fleisch nicht nur aus (Filet, Schnitzel, Hühnerbrust) besteht. Vielen Dank für Deine Anregungen. Schönen Sonntag
      M Kuhl

      Gefällt 2 Personen

      1. Ja, da ist wohl wahr! Meine Großeltern/Eltern betrieben eine kleine Nebenerwerbslandwirtschaft ( 3 Kühe, 2-3 Schweine, 25 Hühner, einwenig Getreideanbau, Kartoffel, Gemüse) Vorräte waren immer vorhanden (Salzfleisch, Sauerkraut, Bohnen….Eingemachtes, Marmeladen…) 2 mal im Jahr wurde eine Hausschlachtung gemacht und da hat man ein 1/4 Rind fürs Wurschteln dazugekauft. Die örtlichen Bauern waren keine großen landwirtschaftlichen Betriebe. Es gab kaum Vollerwerbslandwirte. Die Böden waren nicht geeignet und auch nicht vorhanden. Lieferungen waren nicht an der Tagesordnung! Liebe Grüße M Kuhl

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  3. 😂 das Gefühl kenne ich sehr gut!
    Bin zwar jetzt Einzelkämpfer, wir hatten aber bis zur Selbstständigkeit der Kinder einen 6 bis 10 Personenhaushalt, der für die Überraschungsbesuche gerüstet sein musste.
    Meinen zweiten TK und Kühlschrank habe ich im letzten Jahr bei meinem Umzug in eine kleinere Ein-Personen-Wohnung entsorgt, aber entgegen der Ansage meiner jüngsten Tochter ’nur‘ den großen Side-by-Side behalten.
    Gut, ich hatte mir selbst versprochen kürzer zu treten!
    Von August bis Ende November ging alles gut. Dann kam der Winter und beim Anblick des Inneren von TK und Frigo kamen mir regelmäßig die Tränen.
    Beide riefen: ‚Hunger!!‘
    Ich habe mich nicht lange gewehrt 😇 und freue mich jetzt in diesem blöden Logdown auf die gehorteten Vorräte zurückgreifen zu können! Wie immer gibt es ‚Two Sides of a Coin‘!
    Ich grüße dich als
    „Brother in Food“
    Opa Reiner

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