„Heringsalat – Tante Mulli“

Pink-Heringsalat - Tante Mulli

Heringe waren zu meiner Kindheit eigentlich ein Arme-Leute-Essen.

Neben dem riesigen Zuber mit Salzfleisch stand auf dem großen Dachboden auch immer ein Eimer oder kleines Fäßchen mit Salzheringen.

Erfürchtig schlich im immer an den Heringen vorbei. Einen Hering – eingelegt – mit Schmand, Sahne, Äpfeln, bestem Essig durfte man erst dann essen, wenn man schon etwas älter war. Voraussetzung:

  • der Segen des hl. Blasius am 3.Februar

Blasius von Sebaste war der Überlieferung zufolge Bischof von Sebaste in Kleinasien und erlitt 316 das Martyrium. Der Heilige zählt zu den vierzehn Nothelfern. Die bekannteste Erzählung über Blasius berichtet, wie er während seiner Gefangenschaft in einem römischen Gefängnis einem jungen Mann, der an einer Fischgräte zu ersticken drohte, das Leben rettete. Deshalb erteilt die Kirche den Blasiussegen zum Schutz gegen Halskrankheiten. Darin kommt das gläubige Vertrauen auf die Heilszusage Gottes gerade auch für das leibliche Wohlergehen des erlösungsbedürftigen Menschen zum Ausdruck. (lt. Wikipedia)

  • weitere Voraussetzung war, dass man wußte, wie man dem Fisch zu Leibe rückte
  • man biß in die obere Rückenflosse, brach ihn praktisch auf, ertastete den Grätenstrang
  • nun konnte man ihn sauber herausziehen und den Hering genießen

Ganz wichtig war, dass die Heringe genug Milcher hatten. Beim Putzen der Heringe zeigte mein Vater mir die weichen, kleinen Stücke, welche ebenfalls in die Soße passiert wurden, bzw. den Kindern mit Pellkartoffeln zerdrückt gerne gereicht wurden. Sie seien ja so gesund! Aufgeregt verfolgte ich, was alles in so einem Hering drin war, mit einer gewissen Ehrfurcht, so richtig erklären konnte es mein Vater nicht, was da alles drin war, der Opa schon.Wie sooft erhielt er allerdings von den keifenden Damen Redeverbot . So musste ich wieder etwas warten, bis wir aufs Feld gingen und Großvater führte mich in die Begriffswelt des Laichen von Fischen, Vermehrung von Fischen ect. ausführlich ein.

Als Fischmilch oder -milcher, auch kurz Milch oder Melcher genannt, wird der Samen männlicher Fische, Weichtiere oder anderer im Wasser lebenden Arten bezeichnet. Diese Flüssigkeit wird während der Laichzeit auf den Rogen ausgeschieden, wodurch die Befruchtung erfolgt.[1][2]

Fischmilch wird frisch oder mit Salz konserviert als Lebensmittel verwendet. Sie wird zur Geschmacksgebung von Saucen genutzt oder bei Gerichten aus ganzen Fischen mitverwendet. (s. Wikipedia)

Die eingelegten Heringe mussten dann eine gewisse Zeit abgedeckt ruhen, bis man sie mit frischen, kleinen Pellkartoffeln essen konnte. Den Geschmack habe ich heute noch auf der Zunge, wenn es auch riesengroßer Anstrenung bedarf, diese Heringe zu bekommen.

Mehrmals im Jahr reiste Tante Wilhelmine (Mulli) aus Frankfurt-Sossenheim an, schaffte Ordnung, kochte göttlich und alle folgten ihrem Kommando.

Sie brachte das nachfolgende Rezept in die Familie und das Heringsgericht mit den Bismarkheringen gemacht, war schnell gemacht – ohne tagelanges wässern, einlegen, putzen… – nicht erforderlich. Wir Kinder mochten es und nannten das Gericht „Pink-Heringsalat“

Der Bismarckhering war im 19. Jahrhundert eine neue Möglichkeit, Fisch lange haltbar und trotzdem wohlschmeckend zu konservieren. Wesentlich ist auch das zu dieser Zeit entstehende Eisenbahnnetz, das es ermöglichte, von Nord- und Ostseeküste in Holzfässern der Haltbarkeit wegen sauer eingelegte Fische ins Binnenland zu transportieren. Ein weiterer Vorteil der Essigkonservierung ist, dass sich kleine Gräten auflösen, was den Verzehr vereinfacht. (lt. Wikipedia)

Rezept für Pink-Heringsalat

Zutaten:

500 gramm Bismarkheringe (oder auch Matjesfilets)

350 gramm gekochte rote Beete (gekocht im Schnellkochtopf mit Lorbeer, weissen Senfkörnern u. Meersalz)

2-3 säuerliche Äpfel (Elster oder auch Boskop)

1-2 ganz fein geschnittene rote Zwiebel

1 Bund Dill

40 ml süße Sahne

Gewürze: Meersalz aus der Mühle, schwarzen Pfeffer, frisch geriebenen Kren (Meerrettich), ein Spritzer scharfen Senf.

für die Marinade:

100 ml Schmand

100 ml Kefir

scharfer Senf

einen kräftigen Schuß Gurkenwasser

Apfelessig, einen halben Teelöffel Honig, Abrieb von der Zitrone, einen Eßlöffel Zitronensaft.

Zubereitung:

Schritt 1:

Rote Beete in mundgerechte Würfel schneiden, Zwiebel ganz fein schneiden, den Fisch in mundgerechte feine Stücke schneiden .

Äpfel entkernen und in feine, kleine Stücke schneiden. (schälen nicht nötig)

Schritt 2

Vinaigrette:

Mit einem Schneebesen die genannten Zutaten verrühren und gut abschmecken.

Dann über die geschnittenen Zutaten verteilen und gut durchmischen, fein geschnittenen, frischen Dill unterheben und gut durchziehen lassen.

Schritt 3:

Die süße Sahne zusammen mit dem frischgeriebenem Kren aufschlagen und die Tupfen auf dünn geschnittene Rote Beete Scheiben setzen. Dilldeko je nach Gusto

Die ideale Hauptspeise für schnelles Essen mit Pellkartoffel – oder Vorspeise – Nachtspeise nach dem süßen Weihnachtsgebäck – haltbar im Kühlschrank 3-4 Tage.

Herzhaft und soo guuut

2 Gedanken zu „„Heringsalat – Tante Mulli“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s