"Knopf im Ohr"


Ein Phänomen unserer Gesellschaft ist für mich der „Knopf im Ohr“ geworden.
Den meisten ist die Reklame noch im Ohr, für diese einmalig schönen Teddybären, die man früher zur Geburt geschenkt bekam und die einem ein ganzes Leben begleiten sollten.
Viele haben sie heute noch, ihren Lieblingsaffen, Bären, Fische zum Kuscheln und als Erinnerung an eine schöne Kindheit.

Doch damit hat das gesellschaftliche Phänomen nichts mehr gemeinsam.
Zunächst war der Knopf im Ohr ein Privileg der Jugend. Dezent waren in U- u S-Bahnen Hinweise angebracht, dass man auf die Lautstärke achten solle, den alle wollten den dröhnenden hard rock nicht mitanhören. Diese Zeiten sind längst vorbei.

Die Knöpfe im Ohr haben auch die Senioren, Mittelalten, Hausfrauen, Businessleute und solche, die sich für unsagbar progressiv, modern halten erreicht.
Der Herr Wichtig – Mitte 60 – sitzt, natürlich breitbeiniger geht es nicht – in der U-Bahn hat auf seinem Nebensitz seinen überdimensionalen Rucksack geparkt, tut so , als sei er in die Lektüre vertieft, wackelt mit dem Kopf rhythmisch hin und her. Ja, er gehört dazu, zu der Gesellschaft „Knopf im Ohr“.
Er ist versunken in seine „Knopf-im-Ohr-Welt“.
Leise, höflich lächelnd wird er aufgefordert, den Sitzplatz doch zur Verfügung zu stellen.
Reaktion – keine – .
So ändern sich die Zeiten, gestern noch über die laute Musik und das ungezogene Verhalten der Jugendlichen geschimpft, sieht er es heute völlig relaxt.
Der junge Alte hat die Lösung gefunden, um auf sich aufmerksam zu machen, wo ihn doch seine Frau schon lange nicht mehr interessant findet, aber vielleicht eine junge Studentin….
Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Die Jugend muß rebellieren gegen diese Art und Weise des Knopf bzw Knöpfe-im- Ohr- tragen.
Große breite Bänder umhüllen die Köpfe der Freaks, an beiden Enden befinden sich Expresso-Untertassen große Scheiben, verkabelt mit dem Laptop, natürlich den mit dem Apfel drauf.
He Opa, wer ko , der ko .
Wann wird es wieder in sein, sich leise zu unterhalten ???, den Platz der netten alten Dame anzubieten und einen kleinen Plausch bis zur nächsten Station über Gott und die Welt zu halten?? Ich jedenfalls gebe die Hoffnung nicht auf.

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