"Die Brotzeit wird erwachsen "

Gerade schreibt jeder über, für, und sogar mit Kindern… Ein Redakteur der Süddeutschen schildert, wie wunderbar es doch ist, noch einmal Vater zu werden und sich so ein kleinwenig Jugend zu bewahren, unsere Familienministerin bereitet sich auf ihr „Mutterwerden“ vor….. Ja, es ist  gerade „IN“, sich mit 4 Kindern zu schmücken, ich finde: Gut sooo !!!

Manchmal  – aber nur manchmal – wollte man uns arbeitenden Müttern schon mal einreden —  „ihr seid Rabenmütter“ —–, „das Kind den ganzen Tag in fremde Hände geben“ …. , aber Gott sei Dank klingen die Töne gerade etwas anders! Nur die Mütter haben sich jetzt grad mal wieder anders orientiert – schade drum! -. Passend zum Thema „KinderKinder“ fällt mir da noch eine kleine nette Schubladengeschichte ein:

Hier meine Brotzeit-Kinder-Schublade, von der ich mich nicht trennen kann, und auch nicht trennen will.
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Meine Kinder gingen schon sehr früh in den Kindergarten bzw. in die Kinderkrippe. Besonders wichtig war immer die Brotzeit: sie sollte gesund und gleichzeitig ansprechend sein und sie sollte ein kleines Stück Zuhause zum mitnehmen sein, denn manchmal gab es diese herzzereißenden Szenen, man will lieber mit der Mama … bis dann 5 Minuten später die kleinen Spielkameraden doch wichtiger waren.
Aus Vollkornbrot habe ich Blumen ausgestochen, diese dann mit Käseblumen oder Salamiblumen belegt, auf kleine, bunte stumpfe Spieße habe ich dazu Cherrytomaten, Paprika, Gurkenstückchen gesteckt; kleine Gesichter auf die Brote gezaubert: natürlich immer mit einem lachenden Mund. Je nach Saison hab ich Osterhasenohren aus Karotten an die lustigen Brote gebastelt, und auch mal kleine Eisanbahnzügeüge gestapelt. Ich hab mir gern etwas einfallen lassen, und so gab es im Standardsortiment: Rosinenaugen auf gesunden kleinen Muffins, spätabends oder nachts gebacken. Tolle Tees – selbstverständlich damals schon ohne Zucker – dafür zubereitet mit selbstgezogener Minze aus der bäuerlichen Heimat. Später dann, in der Grundschule steckte ich liebevolle Aufmerksamkeiten in Form von kleinen Nachrichten in die Brotzeit-Box : „Du schaffst das“, „hab Dich ganz doll lieb, Mama“ , oder auch mal kleine Aufkleber mit dem gerade aktuell schwierigsten Buchstaben, oder einfach was zum Freuen: kleinen Holzmarienkäferchen – konnte man später aufkleben – und zum Geniessen: Selbstgebackene bunte Kekse oder gesunde Müsliriegel und natürlich immer immer ganz coole bunte Boxen, Trinkflaschen, – das Auge isst ja schon bei den Kleinen mit! Und selbstredend das Obst immer kindermundgerecht geschnippelt und vorbereitet…

Den ersten Tiefschlag bekam ich ganz unerwartet schon im Kindergarten.
Freudestrahlend kam mein Sohn nach Hause: „Du Mama, heute habe ich meine Brotzeit getauscht, der Manuel wollte auch mal die tollen Käseblumen und den dicken Finnenbrotbär essen und auch meinen Früchtetee fand er „voll cool!!! Soll ich mich jetzt über das Lob vom kleinen Manuel freuen, oder entäuscht sein, dass der Filius so mir-nix-dir-nix die liebevoll gestaltete Brotzeit einfach vertickt? Also sag ich einfach: „Hmm, ja, schön, und was hast Du dafür bekommen?“ Auf das, was jetzt kam war ich nicht vorbereitet: „Ich hab die beste Brotzeit seit ewigen Zeiten dafür bekommen“ sprachs und erklärt mir eifrig: „echtes Kindercola und ganz tolles weisses, weiches Brot mit ganz ganz dick Nutella drauf“- und als ob das noch nicht genug wär um eine hingebungsvolle Brotzeitdesignerin sprachlos zu machen: „Mama, das war viel, viel besser als Deine Gemüsespieße und die Vollkornblumen. Aber sei nicht traurig Mama: Morgen nehm ich dann noch viel mehr von Deiner Brotzeit mit den Gemüsesachen und so mit, weil die Lena, die hat nämlich immer Wackelpudding dabei , so grün, wie eine Giftschlange….“ Das hat wehgetan 😉

Etwas später dann waren meine Brotzeiten total out – peinlich und schrecklich: sie wurden vergessen und verschimmelten einfach in diversen Schulranzen, Taschen und Kinder-Rucksäcken.
Ich musste die Kinder-Brotzeit retten und brauchte eine neue zündende Idee: Also ging ich los und erstand tolle, edel gestylte Edelstahlbehälter für Tee. Und als Brotzeit gabs nun passend für die kleinen „Erwachsenen“: Diverse Sandwiches, raffiniert belegt, Baguettes mit tollem Käse und Salat, oder Seranoschinken, Salami mit Nuß, etwas Kresse dazu … Der Design-Tick hat funktioniert. Zunächst jedenfalls!
Es ging also wieder eine kleine Weile gut, bis … , die nächste Abfuhr kam dann schon nicht mehr so unvermittelt:
“ Du Mama, das ist ein wenig peinlich: Deine Brotzeit! Weißt scho, wir gehen doch mittags immer nach der Schule in die Stadt und da kommt es voll blöd, wenn ich meine Brotzeitbrote, Salate, Snacks, egal was… auspacke, das ist gar nicht mehr cool, die Anderen lachen mich schon aus“. Batsch, das sass!

Die Brotzeitbehältnisse kamen jetzt nur noch selten zum Einsatz, wie zum Beispiel beim Radlausflug, auf Reisen… oder jedweden Outdooraktivitäten mit der Familie. Und als die dann auch immer mehr bestreikt wurden – „ist nicht cool, Mamma!“ – da waren die schönen Dosen nur noch gut für Pferdeleckerlies, Hundekuchen und als Gänsefutter. Es war ein Jammer!!!!

Aber auch ich hab gelernt draus, und liess es fortan bleiben, den Herrschaften meine „Brotzeiten“ aufzudrängen.

Jahre vergingen ohne Brotzeiten oder ihre coolen Behälter. Beim Sohn rückte nun der Abiturtermin näher und näher, und der sonst soo coole Filius hatte am Vorabend des ersten Prüfungstages eine ungewöhnliche Bitte: „Mama kannst Du mir Tee machen – einfach Deinen schwarzen Tee mit Milch – und bitte: Ganz viele Brote mit Käse, oder gekochtem Schinken, Salami, Salat, einfach so viel Du machen kannst – die brauche ich die nächsten Tage! Ach Du, Mamma: Und es wär ganz gut, wenn ich so viel hätte, dass ich auch meinem Freund was abgeben könnte“, weißt Du Mama, dann schaff ich die Prüfungstage mit links“… Tschaka!!! Hab ich mir gedacht. Und dann noch: „So grossartig fühlt sich dann also ein Comeback an!!!“

Gestern habe ich auch wieder eine klassische Brotzeit für meine Tochter gemacht. Denn auch beim Schifahren ist es voll cool, wenn man einen Couscous-Salat dabei hat, für danach noch frische Muffins…, und für die Nachmittags-Jause ein leckeres selbstgebackenes Walnußbrot mit Bergkäse.
Wir liegen wieder voll im Trend! Die Brotzeiten und ich!
Wohl bekomms!

"Winterabschiedsessen für Männer"

Die Woche hatte ich schon davon geredet, von dieser bayrischen geräucherten Surhaxe.
Dieses Gericht gibt es zwei – dreimal im Winter, nur wenn es ganz kalt ist und als Verabschiedung des Winteressens, wenns noch kalt ist und man muß sich beeilen…
Männer lieben es alle – auch wenn sie es oft nicht zu geben wollen –
Die Surhaxe gibt es einmal nur gepökelt u. leicht geräuchert, wie wir es heute kochen möchten. Das Rezept der gepökelten Surhaxe:
http://www.kuechengoetter.de/rezepte/verschiedenes/-bayrische-Surhaxe–2533737.html
Bayrische Surhaxe – geräuchert –
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Hier mein Rezept: (3-4 Personen) einschl. Beilagen, Sauerkraut , Kartoffelpüree
Zutaten:

1 bayrische Surhaxe geräuchert ca 1,5 -2 kg)
500 gramm Sauerkraut ( am besten das aus Ismaning b. München lose aus dem Fass)
1 Stück Sellerie
2 Karotten
1 kleine weiße Zwiebel
1 Lorbeerblatt
100 gramm gewürfeltes Wammerl (Bauchspeck geräuchtert)
8 Wacholderbeeren
1/2Teelöffel Kümmel
1/2 L Weisswein oder Sekt (trocken)
1/4 L Fleisch- oder Gemüsebrühe
1 rohe Kartoffel
1 kleiner Schuß Gin (final)
1 Eßlöffel Butterschmalz

Das Hartgemüse, in mgl klein schneiden (Sellerie, Karotte, Zwiebel), die Wacholderbeeren kurz mit dem Messerrücken etwas anschlagen, damit sie ihr volles Aroma entfalten.
Kümmel, Wammerl, Wein, Gin bereitstellen, die Brühe kurz erwärmen.
Die fette Haxe wartet schon gierig auf ihren Einsatz, aber noch ist sie nicht dran.
In einen großen, bauchigen Topf geben wir das Butterschmalz und schwitzen hierin das Hartgemüse an – ohne das es Farbe bekommt – und lassen die Speckwürfel „mitlaufen“

Nun geben wir das abgetropfte Sauerkraut hinzu und lassen es kräftig anschwitzen, immer kurz rühren, es sollte nicht braun werden. Wenn sich das Kraut mit dem Hartgemüse verbunden hat und einwenig glänzt geben wir die Hälfte des Weines hinzu. Es köchelt, es riecht das ganze Haus/Wohnung nach deftigem Sauerkraut. Nun können wir die den Kümmel, die Wacholderbeeren hinzugeben und die dicke Haxe mit der Schwarte nach unten gleitet in den Topf.
Kurz ankochen lassen und mit den restlichen Wein angießen. Bei geschlossenem Topf ca. 1/2 Stunde auf kleiner Flamme köcheln lassen.
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Dann drehen wir die Haxe, gießen die Brühe an und lassen alles nochmals ca. 1/2 – 3/4 Stunde köcheln. Es ist darauf zu achten, dass im Topf genügend Flüssigkeit verbleibt, ggfs. Brühe nachgießen. Die Haxe geht auf und sollte aber nicht zu weich gekocht werden. Final geben wir einen kleinen Schluck Gin über die Schwarte. Die Haxe nehmen wir aus dem Ofen und stellen sie kurz warm. Dann reiben wir die rohe Kartoffel in das Sauerkraut und die Flüssigkeit bindet sich … Nun können wir mit dampfendem Kartoffelbrei servieren. Wie ich immer wieder feststellen muß, schmeckt dies nicht nur Männern.

Dazu Kartoffelbrei und am besten ein frisches Bier.
Das Rezept für das Püree:
http://www.kuechengoetter.de/rezepte/verschiedenes/-Kartoffelpueree-Variationen–1846326.html